• Erdbeben in der Türkei: Schwerer Schreck in der Morgenstunde - drei Todesopfer

Welt : Erdbeben in der Türkei: Schwerer Schreck in der Morgenstunde - drei Todesopfer

Susanne Güsten

Den Frommen fiel es am Dienstag nicht schwer, die schützende Hand Allahs über Anatolien zu sehen. Kurz vor halb sechs Uhr morgens rief der Muezzin die Gläubigen zum Morgengebet aus den Betten - eine Viertelstunde später brachte ein heftiger Erdstoß nördlich von Ankara hunderte Häuser zum Einsturz. Wie ein Wunder wirkte es angesichts der Verwüstungen, dass bis zum Nachmittag nur drei Tote zu beklagen waren. Allerdings wurden Dutzende verletzt, und für die Obdachlosen setzte bald der Treck von Hilfsgüter-Transporten ein, dessen Anblick in der Türkei inzwischen nur allzu gewohnt ist. Der Erdstoß von Cerkes, wie der Ort im Epizentrum des Bebens heißt, war aber nur eine weitere Warnung davor, was der Türkei von ihren Verwerfungslinien noch drohen könnte - das machten die Seismologen auch diesmal wieder sehr deutlich.

Eine Stärke von 5,9 auf der Richter-Skala erreichte das Beben nach Messung der türkischen Forscher; die europäische Erdbebenwarte registrierte sogar 6,1. Die Erschütterungen dauerten 30 Sekunden und waren von Kayseri in Zentralanatolien bis ins 500 Kilometer entfernte Zonguldak an der Schwarzmeerküste zu spüren. Überall stürzten die Menschen in heller Panik auf die Straßen; viele brachen sich beim Sprung aus dem Fenster die Arme oder Beine.

Grund zur Panik hatten vor allem die Bewohner der Provinzen Ankara und Cankiri. Allein in der Ortschaft Orta in Cankiri stürzten mehr als 100 Häuser ein; dort wurde ein Mann tot aus den Trümmern gezogen. In den umliegenden Dörfern zählte Städtebauminister Koray Aydin bei einem Hubschrauberrundflug mehr als 200 eingestürzte Häuser.

Dort riss auch ein Staudamm, dessen Wasser am Dienstag kontrolliert abgelassen werden musste. In einem Dorf der Provinz Ankara brach ein dreistöckiges Gebäude zusammen und erschlug einen Jungen. Ein Mensch starb außerdem beim Sprung aus dem Fenster. Die Hauptstadt selbst blieb von Einstürzen verschont, doch platzte dort eine Erdgasleitung.

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