Erdbeben in Indonesien : Die Erde kommt nicht zur Ruhe

Schwere Nachbeben versetzen die Indonesier in Angst. Ein Besuch im Potsdamer Bebenzentrum in Jakarta.

Moritz Kleine-Brockhoff
Tsunami-Warnung
Nach einer Tsunami-Warnung verlassen diese indonesische Frau und ihr Sohn ihre Siedlung. -Foto: dpa

JakartaEine Serie schwerer Erdbeben hat auch am Donnerstag in West- und Ostindonesien sowie auf den Philippinen und in Nachbarländern Millionen Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Auf Sumatra kamen neun Menschen ums Leben. Hunderte Häuser wurden zerstört oder beschädigt. Auf den schweren Erdstoß der Stärke 8,4 vor der Westküste von Sumatra am Mittwoch folgten zwei Dutzend kräftige Nachbeben mit Stärken bis zu 7,8. Am Abend bebte auch die Erde im Ostteil des riesigen Inselreichs vor Sulawesi mit einer Stärke von 6,6.

Die Angaben über Schäden aus Sumatra waren am Donnerstag noch unzuverlässig, weil viele Regionen in der besonders betroffenen Provinz Bengkulu abgelegen sind und von der Außenwelt abgeschnitten waren. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sprach von mindestens 5000 beschädigten Häusern in der Region. Heftige Regenfälle erschwerten am Donnerstag die Aufräumarbeiten. Nach Angaben von Augenzeugen verbrachten tausende Menschen die Nacht im Freien. „Viele wollen aber wieder in ihre Häuser zurückkehren, weil sie Angst vor Plünderern haben“, sagte Müller. Jeder neue Erdstoß versetzte die Bevölkerung in Angst und Schrecken.

Registrieren, messen und Alarm schlagen

Donnerstagnachmittag in Jakartas Institut für Meteorologie und Geophysik, kurz BMG. Das Operationszentrum ist ein großer Raum mit dutzenden Telefonen, Fernsehern, Computern und Flachbildschirmen. Seit 20 Stunden wird ein Erdstoß nach dem anderen registriert. Mittlerweile sind es mehr als 60. Fast alle Epizentren liegen vor der Insel Sumatra. Vier Mal haben die BMG-Mitarbeiter nun schon vor einem Tsunami gewarnt. Glücklicherweise kam keiner. „Die erste Warnung ging am Mittwoch vier Minuten nach dem großen Beben heraus“, meint Jörn Lauterjung. Der Wissenschaftler vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) pendelt seit drei Jahren zwischen Deutschland und Indonesien. Lauterjung hilft, in Indonesien das 45 Millionen Euro teure Frühwarn-System aufzubauen, dass die Bundesregierung spendete. Die Potsdamer hatten schon vor den Amerikanern als Erste das große Beben registriert, gemessen und Alarm geschlagen.

„Im seismischen Bereich haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Lauterjung. 100 Messstationen seien in Indonesien an Land installiert. Deutschland, Japan, China und andere Geber stellten sie auf. Über Satellit gelieferte Bebendaten, auch aus anderen Staaten der Region, werden in Jakartas BMG aufgenommen, bearbeitet und weitergeleitet. Und zwar mit Hilfe von „SeisComP 3“, einer Software des GFZ. „Warnungen gehen per SMS, Fax und Telefon an Verwaltungsbehörden, Polizei und Medien“, meint Lauterjung, „alles läuft parallel und schnell.“

Kommen die Wellen, oder kommen sie nicht?

Das ist neu. Als es vor 14 Monaten vor der Südküste der Insel Java bebte, bekam das BMG dies zwar mit, aber niemand wusste, ob und wie man nun warnen sollte. Während Mitarbeiter Vorgesetzte telefonisch um Rat fragten, rollte ein Tsunami. Heute sind BMG-Technik und Organisation besser. Und man warnt seit dem Versagen von 2006 wohl lieber zu häufig als zu selten.

„ Angesichts der vielen gewaltigen Beben in den letzten Stunden ist die Lage vor Ort weniger dramatisch als zunächst befürchtet“, sagte Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla. Am Donnerstagabend warnte das BMG wieder vorübergehend vor einem Tsunami. Es hatte nördlich der Insel Sulawesi gebebt. „Bislang wissen wir nur, wann ein Tsunami theoretisch möglich ist“, meint Berater Horst Letz, der im Rahmen der deutsch-indonesischen Warn-Kooperation beim BMG arbeitet, „Ende 2008 werden wir bestimmen können, ob wirklich Wellen kommen oder nicht.“ Dann soll neben dem seismischen Teil auch die Meereskomponente des Warn-Systems fertig sein. Bojen sollen Wellen melden. (mit dpa)

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