Welt : Erdbeben in Österreich: Opfer oder schwerere Schäden sind nicht zu beklagen

Paul Kreiner

Österreich ist erschüttert. Das stärkste Erdbeben seit zwanzig Jahren hat Wiener und Burgenländer am Dienstag früh aus dem Schlaf gerissen. Passiert ist kaum etwas. Österreich ist wieder eingenickt. Zehn Minuten vor fünf zeigt der Wecker, als das Bett kurz und heftig durchgerüttelt wird. Eine Windböe kann es nicht gewesen sein, dafür ist das Möbel zu massiv; außerdem sind draußen alle Bäume ruhig. Man schreckt hoch. Alles trifft sich fragend auf dem Flur, geht wieder auseinander - und lässt sich zwei Stunden später vom Radio den in der Schlaftrunkenheit gefassten ersten Verdacht bestätigen: Erdbeben, mit 4,8 Punkten nach der Richterskala.

Die Unruhe im Osten Österreichs hat dann aber nicht viel länger gedauert als das Beben, das sich binnen zwanzig Sekunden aufschaukelte, fünf oder sechs Sekunden merklich tobte und nach insgesamt fünfzig Sekunden wieder abgeklungen war. Im Haus berichtet eine Frau, sie habe anfangs dem Hund im Bett die Schuld daran gegeben, dass sie aufwachte: "Was tobt der denn heute so rum?"

Mit den Morgennachrichten und den ersten Fernsehbildern aus der Umgebung Wiens wird schnell klar, dass das Beben nicht sehr viel angerichtet hat. Ungewöhnlich sind Erdbeben für das Wiener Becken keineswegs. Bis zu hundert ihrer Art werden hier pro Jahr registriert. Aber keiner hätte sie bemerkt - gäbe es da nicht hoch sensible Instrumente und Forscher, die sich auch noch für kleinste Bodenregungen interessieren. Das letzte "publikumswirksame" Beben fand 1972 statt. Da stürzten in Wien unzählige Schornsteine zusammen; an der Universität brachen Teile einer Balustrade herab.

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