Erdbeben : Kampf gegen die Zeit

In Peru suchen Retter in den Trümmern nach Überlebenden des Erdbebens, doch sie finden vor allem Tote. Die Arbeit zerrt an den Nerven, aber niemand denkt ans Aufgeben. Zu groß ist die Hoffnung, Überlebende zu bergen.

Retter in Peru
Unermüdlich. Rettungskräfte bergen ein Opfer. -Foto: dpa

LimaNach dem verheerenden Erdbeben in Peru hat für Helfer und Behörden ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Es geht einerseits darum, noch möglichst viele Überlebende in dem weitgehend zerstörten Departement Ica etwa 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Lima zu bergen. Zum anderen soll der Ausbruch von Epidemien verhindert werden. „Wenn die Leichen nicht schnell genug geborgen und korrekt abtransportiert werden, sind Seuchen wahrscheinlich“, fürchtet Luis Bromley, Chef des nationalen Gerichtsmedizinischen Instituts, der mit 50 seiner Männer im Einsatz ist. Das Beben hat mehrere hundert Todesopfer gefordert, genaue Zahlen können noch nicht ermittelt werden.

Heftige Nachbeben versetzen die Menschen immer wieder in Angst. Die Ärzte arbeiten unter schwersten Bedingungen Seite an Seite mit Feuerwehrmännern, Soldaten, Freiwilligen und Angehörigen des Zivilschutzes und internationalen Hilfsorganisationen, mit Männern wie Norbert Hase vom Deutschen Roten Kreuz, der in der zu 70 Prozent zerstörten Hafenstadt Pisco ist. Hase bezeichnet die Lage dort als „katastrophal“. Die Menschen seien alle auf der Straße. „Sie wühlen in ihrem Schutt herum, um Überlebende oder unter den Trümmern liegende Leichen zu suchen.“ Er glaubt, dass unter den Trümmern noch hunderte Tote liegen.

Sorgen bereitet in Pisco vor allem das Schicksal von rund 300 Menschen, über denen die Kirche San Clemente wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Aus den Trümmern wurden dort bisher nur einige Menschen gerettet und auch relativ wenige Leichen geborgen. „Der Kopf sagt, dass es kaum noch möglich ist, aber wir hoffen auf Wunder, damit wir weitere Überlebende finden“, meint ein Feuerwehrmann. Die vorerst letzten Überlebenden wurden in Pisco am Donnerstagabend Ortszeit aus einem Erd-, Geröll- und Holzhaufen gerettet. Bald darauf wurde es jedoch dunkel, und die Sucharbeiten mussten wegen der immer noch fehlenden Stromversorgung deutlich eingeschränkt werden. Nachts wird es zudem sehr kalt. Familien machen neben platt gedrückten Autos und umgekippten Masten Lagerfeuer.

„Die Zahl der Todesopfer wird wohl noch erheblich zunehmen“, glaubt auch der Abgeordnete Edgard Nunez, selbst von einer schier unglaublichen Familientragödie betroffen. Beim Beben verlor er in Pisco seine Ehefrau, seine Schwiegermutter und drei weitere Angehörige. Sie alle waren unter den Gottesdienstteilnehmern. Zwei weitere Verwandte von Nunez gelten wie hunderte andere als vermisst. Der Hauptplatz der 60 000-Einwohner-Gemeinde glich laut Medien am Donnerstag einem „Leichenschauhaus unter freiem Himmel“. Vor Ort verfolgt auch Staatschef Alan Garcia die Rettungsarbeiten.

Medien berichteten, dass in Pisco, ebenso wie in den zwei anderen am schwersten betroffenen Städten Chincha und Ica, viele Menschen wie in Trance ziellos umherirren. „Ich habe zwei tote Angehörige aus den Trümmern geborgen, aber andere sind dazu nicht in der Lage, viele verkraften das seelisch nicht“, meinte im Fernsehen ein Mann namens Alberto. Martin Tumay, Reporter der Zeitung „El Comercio“, berichtet von „Chaos total“. „Menschen brechen auf der Straße in Tränen aus, sind völlig hilflos, und ich sehe keinen einzigen Polizisten, der ihnen hilft, den Verkehr und das Leben hier regelt.“ Es gebe kaum Trinkwasser, Decken und Lebensmittel.

DRK-Mann Hase sieht „in den Augen, dass die Leute hier völlig geschockt sind. Sie werden die nächsten Tage auf der Straße verbringen müssen, weil viele, viele Häuser einfach nicht bewohnbar sind.“ dpa

Die deutschen Hilfsorganisationen bitten als Bündnis „Entwicklung hilft“ um Spenden auf das gemeinsame Konto 51 51, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort „Erdbeben Peru“

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