Erdbeben : Staatstrauer in China

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben gedenkt China am Montag der Opfer der Naturkatastrophe. In der Volksrepublik begann eine dreitägige Staatstrauer. Alle Unterhaltungs-Veranstaltungen wurden abgesagt, die Fahnen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt.

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Fahnen auf halbmast: Drei Tage wird der Opfer des Erdbebens gedacht. -Foto: dpa

PekingChina trauert um die Erdbebenopfer: Mit einer Flaggenzeremonie bei Sonnenaufgang am Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) begann am Montag eine dreitägige Staatstrauer. Die Nationalfahne und alle anderen Flaggen im Land wehten auf halbmast. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Volksrepublik, dass auf diese Weise um die Opfer einer Katastrophe getrauert wird. Bisher wurde eine solche Staatstrauer nur nach dem Tod von Staatsführern angeordnet. An der morgendlichen Flaggenzeremonie um 4.58 Uhr Ortszeit nahmen laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua rund 2600 Zuschauer teil.

Auch der olympische Fackellauf in China wird drei Tage lang unterbrochen. Alle Unterhaltungsaktivitäten im Land sind solange ausgesetzt. Um 14.28 Uhr Ortszeit (8.28 Uhr MESZ) - genau eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben - wollte die Nation in drei Schweigeminuten der voraussichtlich mehr als 50.000 Toten im südwestchinesischen Erdbebengebiet gedenken. Am Ende sollen Sirenen ertönen und Autos hupen. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen sowie die chinesischen Waren- und Terminbörsen werden für die drei Minuten ihren Handel aussetzen.

Vergnügungstempel gesperrt

Drei Tage sollen Vergnügungsstätten wie Karaoke-Bars oder Diskotheken ihren Betrieb einstellen. Im Internet mussten alle Spieleseiten oder Unterhaltungsseiten gesperrt und mit Hinweisen auf die Trauer versehen werden. Bei Zuwiderhandlung droht die Schließung der Portale, wie aus einer Anweisung hervorging. Alle Suchfunktionen für Musik oder Videos in Suchmaschinen wurden gesperrt. Die großen Webportale erschienen am Montag in den chinesischen Trauerfarben Weiß, Schwarz und Gelb und widmeten sich vor allem der Berichterstattung über die Opfer der Katastrophe.

Auch ausländische Botschaften in Peking hissten ihre Flaggen auf halbmast. In allen chinesischen Botschaften im Ausland lagen Beileidsbücher aus. Bislang sind 325.000 Tote bestätigt, doch geht der Krisenstab von mehr als 50.000 Todesopfern aus. Rund 220.000 Menschen wurden verletzt. Mehr als 100.000 Verletzte werden in Hospitälern oder Lazaretten behandelt. Tausende Opfer liegen noch unter den Trümmern begraben. Viele Dörfer in den Bergen sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Bergungsmannschaften haben am Sonntag nur noch einige wenige Überlebende gerettet. Eine Frau wurde am Sonntag 150 Stunden nach dem Beben in der Stadt Yingxiu nahe dem Epizentrum im Landkreis Wenchuan geborgen. Doch mussten Retter ihr bei der Bergung die Beine amputieren, wie die Staatsagentur Xinhua berichtete. Immer neue Nachbeben erschwerten die Bergung. In der Stadt Yingxiu wurde am Sonntag auch ein 53-jähriger Mann nach 146 Stunden noch lebend aus den Trümmern gezogen. Mehr als 110. 000 Soldaten sind im Einsatz, um Opfer zu bergen oder die Hilfe für die Überlebenden zu organisieren. Die Seuchengefahr wächst. Rund fünf Millionen Menschen sind obdachlos.

200 Rettungshelfer verschüttet

Bei den Aufräumarbeiten im Erdbebengebiet sind seit Samstag mehr als 200 Straßenarbeiter und andere Mitglieder der Hilfsmannschaften durch Schlammlawinen und Erdrutsche verschüttet worden. Schwere Regenfälle und starke Nachbeben hatten am Wochenende das Katastrophengebiet heimgesucht und neue Erdrutsche ausgelöst.

Bei dem schweren Nachbeben der Stärke sechs in der Nacht zum Sonntag sind erneut drei Menschen ums Leben gekommen und rund 1000 verletzt worden, berichtete Xinhua. Eine große Zahl Häuser sei eingestürzt. Straßen seien weiter beschädigt worden. Auch seien sechs Brücken eingestürzt. Nach einer Krisensitzung in Peking hat die Regierung angekündigt, dass alle Obdachlosen in den nächsten drei Monaten pro Tag jeweils zehn Yuan (92 europäische Cent) Unterstützung und 500 Gramm Nahrungsmittel bekommen sollen. Die Angehörigen von Erdbebentoten erhalten einmalig 5000 Yuan (460 Euro) Unterstützung.

Die Regierung hat bereits 5,78 Milliarden Yuan (532 Millionen Euro) aus dem Zentralhaushalt zur Verfügung gestellt. Aus dem Inland und Ausland kamen 8,94 Milliarden Yuan (823 Millionen Euro) an Geldspenden oder Hilfelieferungen zusammen. Die für Anfang Juni geplanten nationalen Prüfungen für die Aufnahme in Universitäten werden in 40 betroffenen Landkreisen und Distrikten der Provinz Sichuan auf unbestimmte Zeit verschoben. Studenten, die ihre Eltern verloren oder Behinderungen durch das Beben davongetragen haben, sollen bei einer Aufnahme von Studiengebühren ausgenommen werden und Unterstützung für ihren Lebensunterhalt bekommen. (sgo/dpa)

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