Erdloch-Sekte : Apokalypse später

Die letzten verbliebenen Anhänger der russischen Sekte, die in einer Höhle auf den Weltuntergang gewartet hatten, sind wieder emporgekrochen. Zwei Frauen waren bereits in der Höhle gestorben.

Moskau Nach einem halben Jahr vergeblichen Wartens auf den Weltuntergang sind die letzten Anhänger einer russischen Sekte aus einem Erdloch zurück ans Tageslicht gekommen. Der Gesundheitszustand der neun Gläubigen sei den Umständen entsprechend "zufriedenstellend", teilte ein Behördensprecher am Freitag im Gebiet Pensa, 600 Kilometer südöstlich von Moskau, mit.

Die Menschen seien davon überzeugt worden, dass von den Leichen zweier zuvor in den Höhlen gestorbener Frauen eine große Infektionsgefahr ausgehe. Eine der Frauen starb nach Angaben eines Sektenführers ohne medizinische Behandlung an Krebs. Eine andere Anhängerin aus Weißrussland sei beim Fasten verhungert.

Der Sektenführer ging nicht mit in die Höhle

Im November 2007 waren mehr als 30 Sektenmitglieder, darunter auch Babys und Kleinkinder, mit Lebensmitteln und Decken in das unterirdische Tunnelsystem mit Belüftungsanlage geflüchtet. 14 der Anhänger, darunter zwei Kinder, waren bereits Anfang April aus der unterirdischen Höhle gekrabbelt.

Die übrigen Sektenmitglieder hielten sich weiter in dem Loch auf und wollten zunächst nicht zurück ans Tageslicht. Auch die 14 aus den Höhlen zurückgekehrten Sektenmitglieder waren nicht freiwillig gegangen. Zwei Höhlen waren eingestürzt und hatten sie zum Aufbruch gezwungen.

Die 14 nach oben gekommenen Sektenmitglieder hatten anschließend darum gebeten, in einem Haus des nahegelegenen Dorfes Nikolskoje weiter der Apokalypse harren zu dürfen. Zuvor hatten die Gläubigen stets gedroht sich anzuzünden, sollten sie gewaltsam aus ihrem Versteck geholt werden. Der Sektenführer, der selbst nicht mit in die Tiefe ging, war in die Psychiatrie eingewiesen worden. (mpr/dpa/AFP)

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