Erdstoß : Gerüchte nach Beben in der Türkei

Bei einem schweren Erdbeben im Osten der Türkei sind mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. Nun gibt es Spekulationen über einen Zusammenhang mit dem Mega-Erdstoß von Chile.

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Erdbeben in Türkei
Viele Tote nach schwerem Erdbenen in der Türkei. -Foto: dpa

IstanbulVorsichtig schieben die Helfer an einem Trümmerberg mit bloßen Händen den Schutt weg. Sie hoffen, Überlebende des Erdbebens in einem Dorf in der Nähe der südosttürkischen Provinzhauptstadt Elazig zu finden. Insgesamt 57 Tote ziehen die Bergungsmannschaften an diesem Montagvormittag aus den Trümmern eingestürzter Häuser, mehr als 50 Verletzte werden in die Krankenhäuser gebracht. Das Beben der Stärke 6,0 überrascht die Menschen in der Gegend gegen 4 Uhr 32 im Schlaf. Häuser stürzen ein und begraben ihre Bewohner. „Unsere Nachbarn sind alle tot“, sagt ein Mann im Fernsehen. In dem besonders schwer betroffenen Dorf Okcular sind viele der aus Lehm und Natursteinen errichteten Häuser völlig zerstört. Am Morgen kauern Überlebende vor den Trümmern eines zerstörten Wohnhauses und wärmen sich an einem Feuer.

Anders als nach anderen Beben in der Türkei in der Vergangenheit reagieren die Behörden diesmal schnell und effizient. Der Rote Halbmond schickt schon am Morgen Hilfsgüter und Suppenküchen nach Okcular. Noch vor Mittag stehen die ersten Zelte für die Obdachlosen und für all jene, die nicht in ihre Häuser zurückkehren wollen. Denn die Erde bebt weiter, zwei starke Nachbeben erschüttern die Region. Vor sieben Jahren waren bei einem Beben in der Nachbarprovinz Bingöl 200 Menschen umgekommen. Die Region liege am Schnittpunkt zweier tektonischer Verwerfungslinien und sei deshalb besonders gefährdet, sagen Experten. Weitere Beben seien zu erwarten.

Die staatliche Erdbebenwarte dementierte die These, dass die Katastrophe von Chile Folgen für die Türkei gehabt haben könnte. Mehrere türkische Experten hatten sich mit dieser These vorgewagt. In der Fachliteratur gebe es den Begriff des „Fernauslösers“, sagt der Geophysiker Ali Pinar dem türkischen Nachrichtensender NTV. Besonders schwere Beben könnten Erschütterungen in anderen Teilen der Welt auslösen. Ob das diesmal der Fall gewesen sei, stehe allerdings nicht fest.

Andere Experten halten es für ausgeschlossen, dass ein Beben am anderen Ende der Welt einen Einfluss gehabt haben könnte. Abgesehen von der Debatte über einen Zusammenhang mit dem Chile-Beben: Die Türkei tut Wissenschaftlern zufolge viel zu wenig, um den Bau von erdbebensicheren Häusern durchzusetzen. Lehm- und Steinhäuser wie in Okcular etwa gelten als extrem anfällig. Unwissen, Schlendrian und ein Mangel an staatlicher Kontrolle stellen nach Expertenmeinung eine wesentlich größere Gefahr dar, als ein Beben im fernen Südamerika. „Es ist ja nicht so, dass wir nicht wissen, was getan werden muss“, sagt der Forscher Haluk Eyidogan. „Das Problem ist, dass wir das Wissen nicht umsetzen.“



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