Erfurt : Ehemaliger Pfarrer zündet sich selbst an

Aus Angst vor der Ausbreitung des Islam hat sich in Erfurt ein ehemaliger evangelischer Pfarrer selbst verbrannt. Der 73-Jährige hat einen Brief mit den Motiven für seine Verzweiflungstat hinterlassen.

Erfurt - Der 73-Jährige habe bereits seit Jahren die Haltung der Kirche kritisiert und bei Treffen und Versammlungen mehr Aufmerksamkeit für die Auseinandersetzung mit dem Islam gefordert, sagte die Erfurter Pröpstin Elfriede Begrich unter Verweis auf die Ehefrau des Mannes.

Laut Polizei hatte sich der Pfarrer im Ruhestand am Reformationstag in einer Baugrube des Augustinerklosters mit Benzin übergossen und in Flammen gesetzt. Passanten seien ihm zur Hilfe geeilt und hätten das Feuer gelöscht. Der Mann sei mit schweren Verletzungen in eine Hallenser Spezialklinik geflogen worden, wo er laut Begrich am Mittwochnachmittag starb.

Warnung vor "Kulturstreit"

Der Magdeburger Bischof Axel Noack und Begrich zeigten sich bestürzt von der Tat. "Ich bin schockiert", sagte Noack und fügte hinzu: "Die Erklärung des Mannes macht es für uns nicht deutlicher, sondern noch komplizierter". Beide Kirchenvertreter räumten ein, dass das Islam-Thema immer wieder von anderen Diskussionen verdrängt worden sei, weil es in den neuen Ländern nicht so akut sei. Noack warnte vor einem "Kulturstreit". Man müsse vermitteln, dass von der Religion Frieden ausgehe. Dazu gehöre auch ein klares Bekenntnis der Moslems zur Gewaltfreiheit.

Nach Angaben Begrichs handelt es sich bei dem Mann um den ehemaligen Pfarrer von Windischholzhausen, Roland Weißelberg. Die Pröpstin beschrieb ihn als sehr belesenen und aktiven Christen. Er habe in den 50er Jahren in Jena und Berlin studiert und danach als Verlagslektor gearbeitet. Von 1965 bis zum Ruhestand 1989 sei er Pfarrer in Windischholzhausen bei Erfurt gewesen. Noch vor 14 Tagen habe er einen Gottesdienst vertreten und sich im Ruheständler-Konvent engagiert. In seinem Abschiedsbrief bitte er nach Aussagen der Ehefrau um Vergebung für seine Tat.

Verbrennung während des Gottesdienstes geplant?

Auch der Kurator des Erfurter Augustinerklosters, Lothar Schmelz, reagierte betroffen. Die Tat habe sich während eines Kantatengottesdienstes zur Feier des Reformationstages vor der Kirche ereignet. Da der Mann zuvor im Kreuzgang des Klosters gesehen worden war, habe er möglicherweise eine Selbstverbrennung während des Gottesdienstes geplant. Er sei vielleicht nur deshalb auf die Baustelle ausgewichen, weil das Westportal der Augustinerkirche ausnahmsweise verschlossen war. Laut Zeugen habe er die Worte Jesus und Oskar gerufen. Der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz hatte sich 1976 aus Protest gegen das DDR-Regime im sachsen-anhaltischen Zeitz selbst verbrannt.

Laut Schmelz war der Mann nach der Tat noch bei Bewusstsein. Eine Schwester des Augustinerklosters habe mit ihm gebetet, bevor er in die Klinik gebracht wurde. "Es hat sich gezeigt, dass wir hier im Kloster eine Art Familie sind", sagte der Kurator. Dennoch werde nach diesem Reformationstag nichts mehr sein, wie es einmal war. Das Augustinerkloster wird als Tagungsstätte von Schwestern der Communität Casteller Ring geführt. Der Reformator Martin Luther (1483 - 1546) hatte im Erfurter Augustinerkloster sechs Jahre als Mönch gelebt und war dort 1507 zum Priester geweiht worden. (tso/AFP)

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