Welt : Erlebnis Einkaufen

Außen rosa, innen erfolgreich: Das Shopping-Center Alexa trotzt der Krise

Annette Leyssner

In Berlin gibt es 61 Einkaufszentren, das Alexa will aber mehr sein. „Einkaufen soll nicht ein einfacher Tausch von Ware gegen Geld sein, sondern ein Erlebnis“, sagt Center-Manager Oliver Hanna. Ein großes Warensortiment allein reiche nicht mehr, um Kunden zu gewinnen. „Mehr als Shoppen“ will er Besuchern demzufolge bieten. Zu dem Mehrwert, den die Kunden beim Bummel von Geschäft zu Geschäft mitnehmen können, gehörten bisher Modenschauen mit Designern, Showkochen, Mitternachtsverkäufe sowie Konzerte und Autogrammstunden mit Teenie-Favoriten wie der Boygroup US5 oder den No Angels. Als Nächstes plant Hanna eine Aktion, bei der sich die Kunden kostenlos von einem persönlichen Stilberater durch die Läden begleiten lassen können.

Der studierte Diplom-Kaufmann und Immobilienökonom aus Steglitz sammelte erste Managementerfahrungen bei der Leitung eines kleineren Einkaufszentrums am Berliner Stadtrand. Nun hat der 42-Jährige seit 2007 das Kommando über 183 Geschäfte, die sich auf drei Ebenen auf einer Fläche von acht Fußballfeldern erstrecken. Gemessen an der Zahl der Läden sei das Alexa „das größte Einkaufszentrum der Stadt“, sagt Hanna.

Das Angebot reicht von Mode über Technik und Bücher bis hin zu Feinkostläden und einem Supermarkt. Auch ein Informationsbüro für Touristen befindet sich im Center, schließlich machen sie etwa ein Zehntel der monatlich rund einen Million Besucher aus. Diese seien auch trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten nicht ausgeblieben. „Von der Krise haben wir nichts mitbekommen“, sagt Hanna. Im Schnitt lägen die monatlichen Umsatzzahlen 2009 um acht Prozent über denen des Vorjahres; alle Läden seien vermietet.

Die Krisenresistenz des Einkaufszentrums führt der Manager auf das Geschäftskonzept zurück, „die Sortimente unserer Mieter sind nicht abgehoben“. Das Geschäftsmodell des Alexa beruhe darauf, auf Luxuslabels genauso zu verzichten wie auf Discounter und Ramschläden. Anbieter von Sortimenten der mittleren Preislage müssten sich wenig Sorgen um ihre Kundschaft machen: „Gönnen wollen sich die Leute trotz angespannter Wirtschaftslage etwas. Dann kaufen sie zum Beispiel nicht die Kette für 100 Euro, sondern eine für 20“, hat Hanna beobachtet.

Nicht nur mit dem Konzept des Erlebnis-Einkaufens, auch optisch will sich das Alexa von der Konkurrenz abheben: Die Zeiten, als Warenhäuser Boxen mit maximierter Verkaufsfläche waren, seien vorbei, sagt Hanna. Mit diesen zweckmäßig-schlichten Bauten hat das Alexa wenig gemein. „Die atmosphärische Qualität auch außerhalb der Läden ist entscheidend“, ist der Manager überzeugt: Restaurants, Sitzmöglichkeiten, Lichtkuppeln, Wasserspiele und Begrünung sollen die Besucher zum Verweilen animieren.

Das Architektenteam des vor zwei Jahren fertiggestellten rosafarbenen Betonriesen wählte für die Fassade eine moderne Interpretation des Art-Déco-Stils. Damit wollten sie an glanzvolle Zeiten des Alexanderplatzes erinnern; Böden mit farbigen Mustern und Requisiten wie geschwungene Säulen und kelchförmige Lampen sollen das beschwingte Lebensgefühl der zwanziger Jahre zurückholen. Auf ungeteilte Begeisterung stößt der rosa Bau allerdings nicht, von einigen Berlinern wird das Alexa als „rosarotes Pharaonengrab“ verspottet. Aber eines ist unstrittig: Für die Berliner Wirtschaft hat das Einkaufszentrum Impulse gesetzt. Rund 1000 Arbeitsplätze entstanden im Alexa, in dessen Bau französische und portugiesische Bauherren rund 290 Millionen Euro investiert haben. Die Investoren haben auch 18 der benachbarten S-Bahn-Bögen langfristig von der Deutschen Bahn gemietet und saniert. In elf dieser Läden sind bereits Mieter eingezogen.

www.alexacentre.com

Die atmosphärische Qualität auch außerhalb der Läden ist entscheidend: Restaurants, Sitzmöglichkeiten, Lichtkuppeln, Wasserspiele und Begrünung sollen die

Besucher zum Verweilen animieren.“

Oliver Hanna,

Center-Manager

Alexa

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