Ermittlungen : Fall Nadine bleibt mysteriös

Der Fall der kleinen Nadine aus dem niedersächsischen Neudorf-Platendof bei Gifhorn gibt den Ermittlern weiterhin Rätsel auf. Sie bezweifeln den von den Eltern angegebenen Todeszeitpunkt des Mädchens.

Gifhorn - Die Eltern hatten Nadines Todeszeitpunkt mit Januar 2003 angegeben. Unter anderem deuteten ausgewertete Familienvideos nun aber darauf hin, dass Nadine schon zu Weihnachten 2002 nicht mehr am Leben gewesen sein könnte.

Weder sei Nadine auf dem Film zu sehen gewesen, noch hätten Geschenke für sie unter dem Weihnachtsbaum gelegen, sagte der Leiter des Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Gifhorn, Jürgen Schmidt. Daraus könne sich schließen lassen, dass die Eltern von Nadine in der Vernehmung gelogen hätten. So weit seien die Ermittlungen allerdings noch nicht.

Suche nach Nadines Leiche erfolglos

Von der Leiche des Kindes fehlt bislang jede Spur. Grabungen an einem von den Eltern angegebenen Ort in einem Waldgebiet im Harz waren erfolglos verlaufen.

Nach den Worten von Staatsanwalt Bernd Seemann besteht in dem Fall kein Anfangsverdacht, dass sich Mitarbeiter des Jugendamtes strafbar gemacht hätten. Im August 2001 hatte es einen Hinweis gegeben, dass die im Oktober 2000 geborene Nadine misshandelt worden sei. Daraufhin habe ein Amtsarzt das Kind untersucht. Das sei das letzte behördlich registrierte Lebenszeichen von Nadine gewesen.

Es sei allerdings zu fragen, ob seinerzeit das richtige Kind vorgestellt wurde, sagte Schmidt. Laut Staatsanwaltschaft stellte der Amtsarzt am 15. August 2001 einen blauen Fleck bei Nadine fest. Dieser habe aber von einem Stoß am Kinderbett stammen können. Eine Misshandlung war seinerzeit nicht nachweisbar.

Familie hatte sich abgeschottet

Auf die Frage, wie es der Familie möglich gewesen sei, das Verschwinden eines Kindes so lange zu vertuschen, sagte Seemann, es gebe Hinweise auf soziale Defizite. Die Familie scheine sehr abgeschottet gewesen zu sein. Gegenüber Bekannten seien oft Ausflüchte gebracht worden, wonach sich das Kind beispielsweise in einer Pflegefamilie befinde.

In der Vernehmung hatten die Eltern ausgesagt, dass Nadine im Januar 2003 aus dem Bett gefallen sei. Sie habe keine äußeren Verletzungen aufgewiesen. Während die Mutter angibt, man habe das Kind am nächsten Tag tot im Bett gefunden, spricht der Vater davon, dass das Kind ein paar Tage danach gestorben sei. Die tote Nadine sei dann in einem für die anderen Kinder nicht zugänglichen Raum der Wohnung einige Tage aufgebahrt worden. Erst als der Verwesungsgeruch zu stark wurde, hätten sie sich entschlossen, die Leiche zu bestatten.

Der 31 Jahre alte Vater sitzt in Untersuchungshaft. Er steht unter dringendem Tatverdacht der Körperverletzung mit Todesfolge und der Misshandlung Schutzbefohlener. Die Mutter ist auf freiem Fuß. Die fünf Kinder der Familie sind in einem Heim untergebracht. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Eltern ein später gezeugtes und anonym geborenes Kind als Nadine ausgaben. Ein Hinweis aus dem Bekanntenkreis der Familie hatte die Ermittler auf den Plan gerufen. (Von Ekkehard Beisker, ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben