Welt : Ermordeter Junge: "Wir werden Dennis nicht vergessen"

Angehörige, Freunde und Mitschüler haben am Donnerstag Abschied von dem ermordeten Dennis genommen. Mehr als 200 Menschen kamen zu der bewegenden Trauerfeier in die Kirche "Zum Heiligen Kreuz" in Werschenrege bei Bremen. Viele hatten Stofftiere, Blumen und Briefe dabei, die sie an den weißen, mit roten Rosen geschmückten Sarg des Neunjährigen brachten. Der Junge aus Osterholz-Scharmbeck war vor drei Wochen auf ungeklärte Weise aus einem Schullandheim verschwunden. Nach zahlreichen Suchaktionen wurde seine Leiche in der vergangenen Woche zufällig von einem Pilzsammler entdeckt.

"Wir werden Dennis nicht vergessen", sagte Pastorin Anke Diederichs. Unter dem Geläut der Kirchenglocken zogen die engsten Familienangehörigen nach der Trauerfeier zum Begräbnis des Jungen. Sie wurden von der Polizei abgeschirmt.

"Es hilft miteinander zu reden - aber es gibt keine Antworten auf viele Fragen", sagte die Pastorin. Vor allem die Frage nach dem Verantwortlichen für den gewaltsamen Tod von Dennis beschäftigte die Trauergäste, von denen viele Tränen in den Augen hatten. Diederichs: "Wir haben die Hoffnung, dass der Täter gefunden wird. Und wir werden sie nicht aufgeben." Nach Angaben von Polizeisprecher Detlef Kaldinski haben die Fahnder noch keine entscheidenden Hinweise auf den mutmaßlichen Mörder.

Dennis war in der Nacht zum 5. September unter ungeklärten Umständen aus einem Schullandheim in Wulsbüttel im Kreis Cuxhaven verschwunden. Zwei Wochen lang suchte die Polizei verzweifelt nach dem Jungen. Am Mittwoch vergangener Woche schließlich fand ein Pilzsammler bei Zeven (Kreis Rotenburg/Wümme) die Leiche. Sie lag kaum bekleidet in einem Gebüsch - rund 40 Kilometer von dem Schullandheim entfernt.

Die Ermittler schließen ein Sexualdelikt nicht aus. Sie arbeiten an einer Täterbeschreibung und einer Skizze, die sich aus einem sexuellen Übergriff in dem Schullandheim im Jahr 1999 ergeben soll. Vor allem die markante Kleidung des Täters solle dabei eine Rolle spielen, sagte Kaldinski. Einen weiteren Fall gab es bereits 1995 in dem Heim. Die Opfer sollen damals Jungen im Alter von Dennis gewesen sein. Mehr Details will die Polizei aber nicht preisgeben.

Anfang nächster Woche planen die 40 Ermittler der Sonderkommission "Dennis" eine Flugblattaktion und eine Befragung.

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