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Erneut zwei tote Babys : Bremer Frühchentod: Station wird geschlossen

Nach erneuten Todesfällen im Klinikum Bremen-Mitte wird die Frühchenstation geschlossen. Zuvor war der Geschäftsführer des Bremer Klinikdachverbandes freigestellt worden.

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Ein Neugeborenes wird in einem Brutkasten der wieder eröffneten Frühchenstation im Klinikum Mitte in Bremen behandelt. Foto: dpa
Ein Neugeborenes wird in einem Brutkasten der wieder eröffneten Frühchenstation im Klinikum Mitte in Bremen behandelt.Foto: dpa

Die Todesfälle auf der erst kürzlich sanierten Frühchen-Intensivstation im Klinikum Bremen-Mitte (KBM) nehmen kein Ende. Erneut sind zwei Babys gestorben, die mit dem Darmkeim Klebsiella besiedelt waren, wie Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper am Mittwoch bekannt gab. Die SPDPolitikerin zog daraufhin personelle Konsequenzen. Sie suspendierte den Geschäftsführer des kommunalen Bremer Klinikverbundes „Gesundheit Nord“, Diethelm Hansen, und entband den Hygienebeauftragten des Klinikums, Axel K., von seinen Aufgaben. Außerdem wird die betroffene Station 4027 geschlossen. Im vergangenen Jahr waren drei Neugeborene an Infektionen mit den Bakterien gestorben und mehrere schwer erkrankt. Danach war die Frühchenstation zum Jahreswechsel bereits umgebaut und von Grund auf desinfiziert worden. Trotzdem tauchte der identische Keim vergangene Woche erneut bei drei Frühchen auf. Die jetzt gestorbenen Babys gehören laut Senatorin Jürgens-Pieper nicht zu diesen dreien. In den beiden neuen Fällen seien Klebsiellen gefunden worden, aber es müsse noch geklärt werden, ob es sich dabei um denselben Stamm wie bisher handele. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei „nicht gering“, sagte die Senatorin auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.
Unklar sei, ob die Babys tatsächlich an dem Keim oder wegen einer anderen Ursache gestorben seien. Eines der beiden, „ein sehr, sehr kleines Kind“, sei am 24. Februar per Notoperation auf die Welt gekommen und zunächst leblos gewesen.

Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass der aktuelle Klebsiella-Keim wie der von 2011 identisch mit einer Keimprobe von 2009 ist. Laut Gesundheitsressort hatte der jetzt abgesetzte Hygienebeauftragte K. das alte Material noch in einem Kühlschrank aufbewahrt und es zusammen mit aktuellen Keimproben an ein Bochumer Labor geschickt. Dort wurde dann die Übereinstimmung festgestellt.

„Erschüttert“ äußerte sich die Senatorin darüber, dass in den Hygieniker-Akten offenbar noch „relativ viele“ weitere Klebsiellen-Fälle vermerkt gewesen seien. Über diese Akten habe K. zunächst weder die Gesundheitsbehörde noch den Frühchen-Untersuchungsausschuss der bremischen Bürgerschaft informiert. Es sei „ein erheblicher Fehler“, dass K. „erst im Nachhinein in den Kühlschrank und die Akten“ geschaut habe, sagte Jürgens-Pieper. Jetzt müsse aufgeklärt werden, ob und wie viele Keimausbrüche, Infektionen oder gar Todesfälle es seit 2009 gegeben habe, die auf Klebsiellen zurückzuführen seien.
Dass Kliniken-Chef Hansen jetzt unbefristet von seinen Aufgaben freigestellt wurde, begründete die Senatorin mit „schleichendem Vertrauensverlust in ihn und der Erschütterung auch über das Krisenmanagement“, das Hansen federführend zu verantworten habe. Vor allem auf den Keimauftritt von 2009 „hätte schärfer hingeschaut werden müssen“.
Bereits im November hatte der langjährige zuständige Chefarzt die fristlose Kündigung erhalten.

Ein Untersuchungsausschuss befasst sich mit der Aufarbeitung der Vorfälle. Die Abgeordneten setzten die weitere Zeugenbefragung nach den jüngsten Ereignissen aus. Die CDU beantragte eine Erweiterung des Untersuchungsauftrags.

CDU und Linke kritisierten die Leitung des Krankenhausverbunds und die Gesundheitssenatorin scharf. Die Wiedereröffnung der Intensivstation sei möglicherweise voreilig gewesen. Der Geschäftsführer der Kliniken, Diethelm Hansen, hätte beurlaubt werden müssen.

Experten hatten von erheblichen Hygiene- und Organisationsmängeln in der Klinik gesprochen und den Umgang mit der Krise kritisiert. Unter anderem waren die Behörden erst Anfang November über die Infektionen informiert worden - lange nach dem Keimausbruch.

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