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Erneute Unwetter-Warnung : "Rock am Ring" nun endgültig abgebrochen

Erst gab es nur eine Pause, doch nun stoppten die Behörden das Festival "Rock am Ring". Neue Unwetter gab es in Bayern und in Bonn. Umweltministerin Hendricks fordert bessere Warnsysteme.

Schlammwüste: das Festivalgelände von "Rock am Ring" in der Eifel.
Schlammwüste: das Festivalgelände von "Rock am Ring" in der Eifel.Foto: Thomas Frey/dpa

Ein Festival versinkt im Schlamm: Nach wiederholten Unwettern mit mehr als 80 Verletzten ist „Rock am Ring“ in der Eifel abgebrochen worden. Die Verbandsgemeinde Mendig entzog die Genehmigung für die Fortsetzung der Veranstaltung mit rund 90.000 Besuchern, wie eine Sprecherin des Veranstalters am Sonntagmorgen mitteilte. In Bayern wurden vier Menschen verletzt, nachdem ein Blitz ihr Haus getroffen hatte. Bei den Einsatzkräften gingen Notrufe im Minutentakt ein. In Bonn richtete die Stadtverwaltung nach Überflutungen einen Krisenstab ein.

Bei „Rock am Ring“ hatte es am Samstagabend nach zwischenzeitlicher Unterbrechung noch einmal ein Konzert auf zwei Bühnen gegeben. Dabei jubelten Zehntausende von Rockfans der kalifornischen Band Red Hot Chili Peppers zu. Zwei Stunden nach Mitternacht trat auch noch die Berliner Rockband The BossHoss auf, vor Tausenden Menschen auf dem völlig verschlammten Gelände.

Dann war Schluss: Wegen drohender Unwetter am Sonntag müssen Zehntausende Besucher des Festivals vorzeitig nach Hause fahren. Die Veranstalter meiden angesichts des schweren Blitzeinschlags am Freitagabend das Risiko: Mehr als 80 Menschen waren auf dem Gelände verletzt worden.

„In Verantwortung für das Wohlergehen der Fans akzeptieren die Veranstalter diese Entscheidung“, erklärten die Veranstalter, die Marek Lieberberg Konzertagentur und Live Nation. Sie baten die Festivalbesucher, „aufgrund der Gefahrenlage“ die Heimreise bis spätestens Sonntagmittag 12 Uhr anzutreten.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) fordert nach den verheerenden Unwettern der vergangenen Tage bessere Warnsysteme für Starkregen. Die Behörden sollten sich "für akute Überschwemmungsgefahren durch Bäche und kleine Flüsse noch besser wappnen", sagte Hendricks den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Montag. Dazu könnten neue Frühwarnsysteme gehören, aber auch neue Katastrophenszenarien für Polizei, Zivilschutz und Feuerwehr.

Für die großen Flüsse Rhein, Donau, Elbe, Oder und Weser gebe es nationale Vorsorgeprogramme, sagte die Ministerin. "Bestürzend an den jüngsten Überschwemmungen ist aber, dass sie nicht an Flüssen stattfanden, sondern sich kleine Bäche in reißende Ströme verwandelten." Die Politik müsse sich vorsorgend auf diese neue Situation einstellen.

Rund um Bonn sorgten am Samstagabend heftige Regenfälle für Überschwemmungen. Mehrere Bäche waren nach einem Unwetter über die Ufer getreten, Keller liefen voll, und ganze Straßenzüge standen unter Wasser. „Von landesweit 30 Einsätzen wegen der Regenfälle hatten wir rund die Hälfte in Bonn“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Brände durch Blitzeinschläge in Bayern

Auch in Bayern ziehen die Unwetter nicht ab: Im unterfränkischen Steinmark fuhr ein Blitz in ein Wohnhaus und entfachte einen Brand. Wie die Polizei mitteilte, erlitten vier Bewohner leichte Verletzungen, als sie am Samstag aus dem brennenden Gebäude flüchteten. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten am Abend ebenfalls leicht verletzt. Der Schaden beträgt 100.000 Euro.

Im niederbayerischen Kurort Bad Abbach löste ein einschlagender Blitz einen Wohnhausbrand aus. Es entstand ein Schaden von 400.000 Euro. Verletzte gab es nicht. Die Einsatzleitung in Niederbayern zählte in den Abendstunden 140 Notrufe. Umgefallene Bäume blockierten Straßen, Keller und Tiefgaragen liefen voll, Straßen waren überschwemmt oder verschlammt. Im Hochwassergebiet rund um Simbach habe es zwar wieder geregnet, erneute größere Schäden seien bislang aber nicht bekannt geworden. Viele Bewohner hatten durch Starkregen und Hochwasser in den Tagen zuvor alles verloren.

Am Sonntag sei wieder mit lokalen Unwettern zu rechnen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Im Westen und Süden Bayerns drohten schwere Gewitter mit Blitzschäden, Hochwasser und Überflutungen. (dpa, AFP)

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