Erschwindelte Promotion : Ein Doktortitel zahlt sich aus

Drei Jahre muss ein Rechtsprofessor ins Gefängnis - er hatte Studenten gegen Geld promovieren lassen.

Thomas A.
Der Beschuldigte Thomas A. -Foto. Tsp

Thomas A. wirkt müde an diesem Mittwochmittag. Gerade eben wurde der Juraprofessor der Universität Hannover wegen Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall zu drei Jahren Haft verurteilt. Thomas A. hat Juristen gegen Bezahlung zur Promotion angenommen, obwohl sie zum Teil gar nicht die nötigen Voraussetzungen dafür mitbrachten. Trotz des Urteils verlässt der 53-Jährige das Landgericht Hildesheim nach rund sieben Monaten in Untersuchungshaft vorläufig als freier Mann. Das Gericht hob den Haftbefehl auf, weil keine Fluchtgefahr besteht. Für den Vorsitzenden Richter Peter Peschka lag A.s Motiv auf der Hand: „Er wollte das Geld haben“, sagte er in der Urteilsbegründung.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Hannoveraner Professor Mitte der 90er Jahre eine Vereinbarung mit einem Bremer Institut für Promotionsberatung geschlossen. Der Deal war denkbar einfach: Das Institut überwies bei Annahme eines Doktoranden rund 2000 Euro auf das Konto des Professors. Bei erfolgreichem Abschluss der Promotion sollten nochmals 2000 Euro fällig werden. Gegen den Geschäftsführer dieses Instituts wird in einem abgetrennten Verfahren verhandelt. Rund 150 000 Euro hat der Jurist so in sieben Jahren angehäuft. Das meiste davon steckte A. nach eigenen Angaben in die Raten seines Hauses, das er sich 1999 gekauft und mit dem er sich finanziell ganz offensichtlich übernommen hatte. Wegen eben dieser finanziellen Notlage, in der er sich auch jetzt noch befindet, muss er das Geld laut Urteil auch nicht zurückzahlen.

Der Professor gestand, Geld von dem Bremer Institut erhalten zu haben. Dass man ihm den „Vorwurf der Bestechlichkeit machen könnte“, hätte er allerdings nicht für möglich gehalten, sagte er. Das Gericht ging in seiner Urteilsbegründung hingegen davon aus, dass der Mann ganz genau wusste, was er tat. „Alles andere würde seine Person beleidigen“, betonte der Richter. Auch müsse A. gewusst haben, dass er als Professor zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses verpflichtet sei, ohne dafür zusätzlich Geld zu nehmen. Für einen Vorsatz spricht laut Gericht auch, dass A. die Überweisung der Honorare extra verschleiert hatte. Auch habe er insofern seine Dienstpflicht verletzt, als er sich bei seiner Entscheidung, einen Bewerber anzunehmen, möglicherweise von dem in Aussicht stehenden Geldbetrag leiten ließ. Strafmildernd habe sich indes ausgewirkt, dass er in den 68 Fällen, in denen er Doktoranden angenommen habe, tatsächlich auch Beratungsleistungen erbracht habe.

Die zweite Anklage gegen A. wurde hingegen fallen gelassen. Neben Bestechlichkeit war dem Professor auch vorgeworfen worden, Studentinnen für Sex mit ihm besser benotet zu haben. Eine mitangeklagte ehemalige Studentin von A. war deshalb bereits zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt worden. Sie soll für die sexuellen Dienste auch eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft von A. erhalten haben. (Tsp/ddp)

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