• Erste Leichenteile nach Jet-Absturz entdeckt Besatzung steuerte Maschine vor Altenheim senkrecht in den Boden

Welt : Erste Leichenteile nach Jet-Absturz entdeckt Besatzung steuerte Maschine vor Altenheim senkrecht in den Boden

Rainer W. During

Die beiden Piloten des am Mittwoch in Bayern abgestürzten Alpha-Jets haben ihre außer Kontrolle geratene Maschine möglicherweise senkrecht in den Boden gesteuert, um einen Absturz in den Ortsteil Brannenburg-Thannerhut zu verhindern. Der demilitarisierte Kampfjet mit ziviler Zulassung bohrte sich nur 200 Meter von einem Seniorenheim entfernt rund zehn Meter tief in eine Feuchtwiese. Mit der Bergung des Wracks und der darin vermuteten Piloten konnte erst gestern Nachmittag begonnen werden. Wie die Polizei mitteilte, stießen die Rettungsmannschaften in etwa 1,5 Meter Tiefe auf einen Fliegerhelm, in dem sich menschliche Überreste befanden.

Der zweisitzige Alpha-Jet war nach dem Ausbau der militärischen Komponenten und der Modernisierung der Instrumente erst Mitte September an die „Flying Bulls“ übergeben worden. Die in Salzburg beheimatete Tochterfirma des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull betreibt eine ganze Flotte historischer Maschinen. Am Mittwochnachmittag war der ehemalige Kampfjet gegen 16 Uhr 20 in Oberpfaffenhofen bei München mit einer erfahrenen Crew zu einem Abnahmeflug gestartet. Das Kommando hatte der 48-jährige Jürgen C., ein ehemaliger Einweisungspilot der Herstellerfirma Dornier. Er wurde von einem 44 Jahre alten Testpiloten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) begleitet.

Warum es 25 Minuten später rund 12 Kilometer südlich von Rosenheim zum Absturz kam, ist bisher rätselhaft. Der Alpha-Jet flog nach Sichtflugregeln und stand nicht mit den Fluglotsen in Funkkontakt, teilte die Deutsche Flugsicherung mit. Die beiden erfahrenen Piloten hätten nach seinen Erkenntnissen keinen Notruf gesendet, sagte Wolfgang Neumann von der Ruag Aerospace in Oberpfaffenhofen, wo der Kampfjet umgebaut wurde und stationiert war. Das Modell ist mit zwei Düsentriebwerken ausgestattet und gilt als zuverlässig. Bei der Unglücksmaschine handelte es sich bereits um den vierten Alpha-Jet, den die „Flying Bulls“ aus ehemaligen Bundeswehrbeständen erworben hatten, um damit eine eigene Kunstflugstaffel aufzubauen. Als Nachfolgeunternehmen der Herstellerfirma Dornier baut Ruag Aerospace die Ende der 90er Jahre ausgemusterten Alpha-Jets der Luftwaffe zu Zivilmaschinen um. Dabei wurden auch die Schleudersitze deaktiviert.

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