• Erstmals wieder mehr Verkehrstote: Liegt es am Smartphone oder an der Aggression?

Erstmals wieder mehr Verkehrstote : Liegt es am Smartphone oder an der Aggression?

Seit Jahrzehnten sank die Zahl der Verkehrstoten, jetzt steigt sie wieder. Sind zunehmende Aggression im Straßenverkehr oder Ablenkung durch das Smartphone die Gründe für die vielen Unfälle?

Fahrer war abgelenkt. Kaputter Lamborghini am Wochenende auf der A8.
Fahrer war abgelenkt. Kaputter Lamborghini am Wochenende auf der A8.Foto: dpa

Im Autoland Deutschland krachte es über zwei Millionen Mal im Jahr 2013. Jeden Tag starben im Schnitt neun Menschen bei Verkehrsunfällen. 3339 waren es insgesamt – einerseits eine schlimme Zahl, aber auch ein historischer Tiefstand. Doch jetzt scheint der positive Trend gestoppt.

Die Zahl der Verkehrstoten stieg in den ersten vier Monaten dieses Jahres um mehr als zehn Prozent, wie das Statistische Bundesamt sagt. „Aggression und Ablenkung im Straßenverkehr nehmen zu und sind ein Grund dafür“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Eine Studie seines Hauses werde die Hintergründe von aggressivem Verhalten untersuchen. Ob die Hektik im Verkehr zugenommen hat, die Autofahrer mit Reizen aus der Bordelektronik überflutet werden, und welche Rolle Smartphones spielen, ist bisher nicht klar.

Trotz ständig wachsenden Verkehrs war die Zahl der tödlich Verletzten jahrzehntelang gesunken. Das schwärzeste Jahr in der Statistik war 1970 mit über 21 000 Verkehrstoten – heute gibt es 80 Prozent weniger Tote auf den Straßen. Daran habe die Sicherheitstechnik einen großen Anteil, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann: „Der Sicherheitsgurt ist nach wie vor der Lebensretter Nummer eins.“ Mit dem Smartphone scheint eine neue Gefahrenquelle an Bedeutung zu gewinnen – vor allem junge Leute lesen während der Fahrt Mitteilungen oder schreiben sogar selbst welche.

Bisher ist wenig bekannt über die Gründe

Die Beteiligung am Unfallgeschehen wird jedoch bisher nicht erfasst. „Wir wissen darüber extrem wenig“, sagt Brockmann. Und verteufeln will er die Nutzung der Medien im Auto auch nicht, im Gegenteil: „Ein gewisses Maß an Ablenkung ist erwünscht.“ Der Fahrer brauche eine Nebenbeschäftigung, sonst werde er träge und schläfrig. Entscheidend sei, dass er die Hände am Lenkrad habe und die Straße im Blick behalte.

Der Auto Club Europa (ACE) dagegen sieht die zunehmenden Infotainment-Angebote im Auto als wachsendes Problem. „Geräte, die nachweislich die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, sind während der Fahrt automatisch zu deaktivieren“, fordert der ACE.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hält mehr Videokontrollen auf Autobahnen für sinnvoll, etwa um aggressive Fahrer ausfindig zu machen. (dpa)

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