Welt : Erzbischof Milingo: Nur die Kirche zählt

Johannes Schidelko

Nach den schillernden Inszenierungen und dem immer wieder aufgeschobenen letzten Akt endete das Drama "Milingo-Sung" am Mittwochabend bewegend, aber abrupt. Fast auf den Tag drei Monate nach ihrer spektakulären Trauungszeremonie durch den Moon-Sektengründer Reverend Moon und drei Wochen nach der Rückkehr zur Kirche trafen sich Erzbischof Emmanuel Milingo und seine "Angetraute" Maria Sung zu einem Abschiedsgespräch und zu einer einvernehmlichen Trennung in einem römischen Hotel.

"Ich habe Monsignore Milingo versprochen, für mein ganzes Leben allein zu bleiben", sagte Maria Sung, bleich und sichtlich abgemagert, nach der dreistündigen Begegnung im vatikannahen Hotel "Arcangelo". Sie werde ihren Hungerstreik beenden und wolle ihr Bestes tun, um den Erzbischof künftig "in seiner Mission und seinem Leben" zu unterstützen. Milingo gestand: "Ich liebe dich wie eine Schwester." Er müsse jedoch des Amtes und der Kirche wegen auf sie verzichten.

Seit Tagen war das Gespräch des 71-jährigen Sambiers und der 43-jährigen südkoreanischen Akupunkteurin erwartet worden. Mit 16 Tagen Hungerstreik wollte Frau Sung die Begegnung mit ihrem Mann erzwingen, der sich an einem geheimen Ort aufgehalten hatte. Die Moon-Sekte setzte den Vatikan mit immer neuen und medienwirksam inszenierten Aktionen rund um den Petersplatz unter Druck. Der südkoreanische Botschafter vermittelte zwischen der römischen Glaubenskongregation und seiner Landsmännin. Die "Moonies" rekrutierten Verstärkung und organisierten einen Solidaritäts-Hungerstreik - alles unter den Augen und Fernsehkameras der Medien im journalistischen "Sommerloch". Der Vatikan war in einer ungeheuer unangenehmen Lage, auch wenn der medienwirksamste Gang von Frau Sung, nämlich einen Schwangerschaftstest zu machen, ein negatives Ergebnis brachte.

Seifenoper und Tragödie

Der Fall Milingo-Sung hatte viele Züge einer Romanze und Seifenoper, entpuppte sich letztlich aber als menschliche Tragödie. Er sei zu Kirche und Vatikan zurückgekehrt, man habe ihn dort mit offenen Armen aufgenommen und ihm neues Vertrauen geschenkt, schreibt Milingo in dem lyrisch gehaltenen Abschiedsbrief, den er seiner Partnerin aus zehn Ehe-Wochen beim letzten Date überreichte. Der Brief klingt wie ein Rätsel, mit mystischen Anspielungen auf Untergang und Tod, auf Rettung und Neuanfang. Sein Leben gehöre der Kirche, und die erwarte von ihren Priestern und Bischöfen den Zölibat. Daher sei eine Ehe für ihn nicht möglich, erklärte Milingo seine Wende.

Schon bald nach dem "Honeymoon" hatte der Erzbischof an der Seite der offensichtlich bereits Ehe-erfahrenen Koreanerin wohl sein Dilemma erkannt. Einsamkeit und Ausgrenzung hätten ihn für Moon und seine Ideen anfällig gemacht, bekannte Milingo. In Rom und am Vatikan sei er mit seinen Exorzismen zunehmend als "Hexer" verschrien gewesen. Dann habe Moon ihm eine neue Heimat mit neuen beruflichen und persönlichen Perspektiven samt Gattin geboten. Aber die "Stimme der Kirche" war letztlich stärker. Anhänger, Freunde und vor allem die Schwestern der von ihm gegründeten Ordensgemeinschaft riefen immer wieder und baten weinend um seine Rückkehr, sagte der Afrikaner.

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