Welt : „Es hat keine Flugzeugchecks gegeben“

Hoher Mitarbeiter der Luftfahrtbehörde nach Absturz bei Athen: Es wurde kassiert, aber nicht kontrolliert – Minister widerspricht

Gerd Höhler[Athen]

Zwei Wochen nach dem Absturz einer zyprischen Verkehrsmaschine in der Nähe von Athen werden schwere Vorwürfe gegen die Zivilluftfahrtbehörde Zyperns erhoben. Sie soll den zyprischen Fluggesellschaften seit zehn Monaten mehrere hunderttausend Euro für Sicherheitsüberprüfungen berechnet haben, die gar nicht stattfanden. Die zyprische Regierung bezeichnet die Darstellung als „irreführend“.

Der Chef der Zulassungsabteilung der zyprischen Zivilluftfahrtbehörde (TPA), Charalambos Hadzigeorgiou, sagte in einem Interview mit dem staatlichen zyprischen Rundfunk, dass seit zehn Monaten keine Flug-Inspektionen mehr durchgeführt worden seien: „Es wird behauptet, die Checks hätten stattgefunden; ich kann bestätigen: es hat keine gegeben“, enthüllte Hadzigeorgiou und sagte: „Ich habe mich entschlossen zu reden, obwohl mich das meinen Job kosten kann. Nach dem tragischen Absturz mit so vielen Toten fühle ich mich verpflichtet zu reden“. Bei dem Absturz der Boeing 737 der zyprischen Helios Airways waren am 14. August alle 121 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Als eine der Ursachen wird ein Druckverlust in der Maschine angenommen. Die Piloten der Unglücksmaschine könnten wegen Sauerstoffmangels das Bewusstsein verloren haben, heißt es in einem ersten Bericht.

Die griechischen Unfall-Ermittler müssten nun der Frage nachgehen, welche Rolle die Versäumnisse der zyprischen Luftfahrtbehörde bei dem Unglück gespielt hätten, sagte Hadzigeorgiou. Die Behörde arbeite „ohne Plan und Ziel“ und leide unter ständigem Personalmangel. Nach Angaben von Hadzigeorgiou berechnete die TPA für die gar nicht durchgeführten Sicherheitsüberprüfungen den Fluggesellschaften stolze Summen: die Unglücksgesellschaft Helios Airways zahlte 112 000 Euro, die staatliche Cyprus Airways 157 000 Euro und deren Chartertochter Eurocypria 86 000 Euro. Hadzigeorgiou sagte, er habe den Verkehrsminister bereits in mehreren Schreiben über Unzulänglichkeiten bei der Behörde aufmerksam gemacht – vergebens. Die Regierung habe die Mängel der Behörde auch gegenüber der EU vertuscht.

Verkehrsminister Charis Thrasou gab zu den Vorwürfen zunächst gewundene, ausweichende Erklärungen ab. Am Freitag erklärte der Minister dann, zwischen Januar und August dieses Jahres seien „14 Überprüfungen an Flugzeugen aller drei zyprischen Gesellschaften vorgenommen worden“.

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