Welt : Es muss nicht immer Krone sein

Wie Schwedens Königin Silvia für ausgebeutete und missbrauchte Kinder kämpft – ihre Stiftung hat jetzt einen Sitz in Berlin

Elisabeth Binder

Kinder kennen nicht die gleichen Hemmschwellen wie Erwachsene, wenn es darum geht, mit einer echten Königin zu reden. „Ich trage ja keine Krone“, sagt Königin Silvia von Schweden und lacht. Die Kinder, fügt sie hinzu, fänden das aber eher schade. Am Montag hielt sie sich inoffiziell in Berlin auf, um an der Vorstandssitzung der „World Childhood Foundation“ teilzunehmen, die sie 1999 gegründet hat. In der Zentrale des schwedischen Konzerns Vattenfall an der Chausseestraße in Mitte befindet sich jetzt das deutsche Büro der Stiftung, die ausgebeuteten und sexuell missbrauchten Kindern unter anderem in Brasilien und Russland hilft.

Die Arbeit in ihrer Stiftung, über die Königin Silvia in einem exklusiven Gespräch mit dem Tagesspiegel berichtete, geht manchmal bis an die Grenzen des strengen Hofprotokolls: Da ist der kleine brasilianische Straßenjunge, der ihr auf einer ihrer Reisen stolz eine Pappschachtel zeigt: „Das ist mein Haus.“ Später, als ein Unwetter aufzieht, muss sie an ihn denken: Wie hat die Schachtel dem wohl standgehalten? Auch das kleine Mädchen geht ihr nicht aus dem Kopf. Großmutter, Mutter, alle waren bitterarm. Und doch kann dieses Mädchen der Königin stolz sagen: „Ich werde Rechtsanwältin.“ Dann waren da noch die Töchter einer armen Köchin, missbraucht von deren Freund, die mit Hilfe einer Therapie neues Selbstbewusstsein gefunden haben. „Daraus zieht man ja auch Kraft“, sagt die Königin. Inzwischen unterstützt ihre Stiftung 75 Projekte in 15 Ländern. Wie viel Zeit sie das kostet? „Sehr viel“, sagt sie – um hinzuzufügen, dass diese Arbeit eben nicht nur Zeit koste, sondern dass sie dadurch auch eine persönliche Bereicherung erfahre: „Das sind Lichtblicke, wenn man helfen kann.“

Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe, will die Stiftung, auch mit Spendengeldern der Mitarbeiter, als Partner künftig fördern und unter anderem ein Mutter-Kind-Krankenhaus in Somalia finanzieren.

„Wir sind jung und flexibel und kommen mit wenig Personal aus“, beschreibt die Königin die Aufgabe, in verschiedenen Regionen Kinderhilfsprojekte miteinander zu vernetzen, die besten auszuwählen und gleichzeitig den Helfern Gelegenheit zu schaffen, sich gegenseitig zu unterstützen. In Berlin fördert sie die Organisationen „Wildwasser“, „Kind im Zentrum“ und „Strohhalm“. „Schauen Sie sich die Arbeit von denen unbedingt mal an“, rät sie. Sie wollte den großen Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz keine Konkurrenz beim Sammeln auf der Straße machen, auch deshalb hat sie sich für die Finanzierung der Arbeit zunächst große Unternehmen wie Daimler-Chrysler als Partner gesucht.

Wie man das lernt, so eine Stiftung aufzubauen? Da lacht die trotz des ernsten Themas immer auch vor Charme sprühende Königin wieder leise auf: „Ich habe viel geübt“. Unmittelbar nach ihrer Hochzeit hat sie zum Beispiel eine Stiftung für Behinderte aufgebaut, später eine, die Krankenschwestern zur Betreuung von Demenzkranken ausbildet, schließlich die Anti-Drogen-Stiftung „Mentor Foundation“.

Die „Childhood Foundation“ liegt ihr inzwischen besonders am Herzen: „Auch mein Mann unterstützt das sehr“, sagt sie. Königin Silvias Bruder, Jörg Sommerlath, der in Berlin lebt, sitzt ebenfalls im Vorstand. Er würde seiner Schwester gern mehr zeigen von der Stadt, aber „sie hat ja so wenig Zeit“. Den Potsdamer Platz immerhin findet sie spannend, und Nikolassee mag sie auch, denn da hat ihre Familie mal gelebt.

Was man tun kann, um Kindern im Sinne der „Childhood Foundation“ zu helfen? Hotels boykottieren, die Sextourismus zulassen beispielsweise. Natürlich auch spenden. Königin Silvia wünscht sich, „dass noch mehr Unternehmen Verantwortungsbewusstsein für die Kinder zeigen, besonders auch solche, die in Entwicklungsländern tätig sind.“

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