Welt : Es sieht düster aus im Schwarzwald

Ein schweres Unwetter hat im Süden Deutschlands schwere Verwüstungen verursacht / Ein Todesopfer und mehr als 100 Verletzte

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Villingen-Schwenningen - Rolf-Jürgen Look ist fassungslos. „Innerhalb von ein paar Minuten war alles hin“, sagt der Lehrer aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald. Große Hagelkörner haben bei einem Unwetter am Mittwochabend sein Auto mit Dutzenden Beulen übersät, massiv sind Giebel und Dach des Hauses beschädigt – und die monatelange Kleinarbeit im Garten wurde in kürzester Zeit komplett zunichte gemacht.

Wie Look geht es am Donnerstagmorgen vielen in der 82 000 Einwohner zählenden Stadt. „Ab 19 Uhr 30 am Mittwoch gingen die Notrufe ein“, berichtet Feuerwehrkommandant Markus Heinzelmann. Abgedeckte Dächer, zersprungene Scheiben, voll gelaufene Keller, unpassierbare Straßen – zu mehr als 700 Einsätzen seien seine Männer innerhalb von 16 Stunden ausgerückt, sagt Heinzelmann. Unterstützung gab es vom Technischen Hilfswerk – selbst aus dem 50 Kilometer entfernten Singen seien Helfer angerückt.

Ein Toter, mehr als 120 Verletzte und Sachschäden in zweistelliger Millionenhöhe: Eine Gewitterfront hat mit schwerem Hagel, starkem Regen und Sturmböen in weiten Teilen Baden-Württembergs gewütet. Besonders schlimm traf es am Mittwochabend Südbaden. Dort liefen die Aufräumarbeiten am Donnerstag noch auf Hochtouren. Auch in Oberbayern und Teilen Österreichs richteten Unwetter starke Schäden an.

Im Schwarzwald ertrank ein 66-Jähriger in den Wassermassen eines Baches. Der Mann habe sein Vieh im Stall retten wollen und sei dabei unter einen Ladewagen geraten, der von den Fluten weggespült wurde, teilte die Polizei mit. Mehr als 120 Menschen erlitten in Villingen- Schwenningen durch Hagelkörner und Glassplitter Schnittwunden am Kopf. Dächer wurden abgedeckt und Straßen überflutet. Zahlreiche Keller liefen voll Wasser, Bäume knickten um, im Kinzigtal wurde eine Brücke zerstört.

Rund 35 Liter pro Quadratmeter regnete es innerhalb weniger Stunden rund um die Stadt. „Es sieht aus wie im Krieg“, sagte ein Feuerwehrmann. Nach Polizeiangaben dürften die Schäden noch höher sein als beim Hagelunwetter vor vier Jahren. „Die Schadenssumme dürfte daher bei weit über zehn Millionen Euro liegen“, hieß es.

In Trossingen gingen eine Viertelstunde lang etwa zehn Zentimeter große Hagelkörner nieder, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Mit Schnittverletzungen wurden zehn Menschen ins Krankenhaus gebracht. Die Hagelkörner waren auch hier so wuchtig, dass sie Dachziegel durchschlugen und Dächer abdeckten. Rund 360 Häuser und mehrere hundert im Freien stehende Autos wurden beschädigt und zerbeult, Scheiben zerbarsten. Telefonleitungen brachen zeitweise zusammen. Auf den Straßen stand das Wasser, weil Gullys verstopft waren. Nach Kurzschlüssen wurden einige Feuer entfacht. Die Feuerwehr registrierte fast 400 Einsätze.

In Südbaden rückten am Donnerstag die Handwerker und Dachdecker zur ersten Hilfe aus. „Hier ist alles in diesen Branchen ausgebucht“, sagte ein Polizeisprecher in Schwenningen. Trümmer von den Häusern, Laub und Äste wurde von den Straßen geräumt. Nach wie vor waren am Donnerstag aber zahlreiche Gehwege gesperrt.

Während einige Gemeinden stark betroffen waren, regnete es in anderen kaum. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden im pfälzischen Wörth am Rhein innerhalb von drei Stunden mehr als 70 Liter pro Quadratmeter gemessen, im nur wenige Kilometer entfernten Karlsruhe dagegen nur einer.

Für die Nacht zum Freitag wurden neue Unwetter erwartet. Danach sei die Gewittergefahr aber für die nächsten Tage vorbei, sagte ein Experte des DWD. „Wir können unbeschwerte Hochsommertage genießen.“

Schwere Unwetter über Teilen Österreichs haben auch dort am Donnerstag schwere Schäden verursacht. dpa

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