• Eschede: Zeugen für Fehler der Bahn Unglücksrad war zeitweise nicht im Wartungsbuch erfasst

Welt : Eschede: Zeugen für Fehler der Bahn Unglücksrad war zeitweise nicht im Wartungsbuch erfasst

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Celle (dpa). Im Prozess um die ICE-Katastrophe von Eschede mit 101 Toten hat ein Zeuge von weiteren Nachlässigkeiten bei der Deutschen Bahn AG berichtet. So sei der Radsatz mit der Nummer 523 316, der das Unglück am 3. Juni 1998 verursacht hatte, mehr als zwei Monate lang nicht im Computer-Wartungslogbuch der Bahn erfasst gewesen, sagte der Leiter des ICE-Ausbesserungswerks Hamburg- Eidelstedt am Dienstag vor Gericht in Celle. Tatsächlich war der Radsatz am 12. Januar 1998 unter den Unglückszug montiert worden. Erst vom 20. März 1998 an wurde er korrekt geführt. In dieser Zeit sei der Radsatz bereits rund 100 000 Kilometer gerollt. Der alte Radsatz hatte Flachstellen und war abgebröckelt und „zerrüttet“. Er wurde deshalb ausgetauscht. Diese Reparatur wurde im Wartungslogbuch nicht ordnungsgemäß eingetragen, weil zwei gleich lautende Arbeitsaufträge vorhanden waren. Erst im März sei dies aufgefallen, berichtete der Leiter der zuständigen EDV-Abteilung der Bahn. Die Kilometerleistung des Unglücksrades wurde dabei den Zeugenaussagen zufolge aber nicht berichtigt. Seit einer Woche müssen sich drei Ingenieure vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Lüneburg in Celle wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, das Radreifensystem bei der Einführung nicht ausreichend geprüft zu haben.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte im Prozess ein Ermittler von Unregelmäßigkeiten bei den Kontrollen berichtet: Es habe offenkundige Fehlmessungen zum Raddurchmesser gegeben, wonach die Räder trotz Verschleißes an Durchmesser zugenommen hätten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist dies aber kein Verschulden, das den Angeklagten vorgeworfen werde, und nicht entscheidend für das Verfahren.

Die Witwe eines bei dem ICE-Unglück getöteten Bahnbeamten muss unterdessen zunächst auf weitere Entschädigung der Bahn verzichten. Der 9. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Celle begründete seine noch nicht rechtskräftige Entscheidung von Ende August mit dem Beamtenrecht, sagte ein Gerichtssprecher. Ansprüche Hinterbliebener seien gegen den Dienstherrn bei einem Dienstunfall begrenzt. Die Witwe hatte von der Bahn 15300 Euro Schmerzensgeld erhalten und noch einmal 15300 Euro gefordert (Aktenzeichen: 9 U 13/02).

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