Berliner Imbisse im Test : Brot & Butter

Ahle Wurscht, französische Flûtes und Sauerteigbrot: Das Bistro im Manufactum bietet viele Spezialitäten. Selber schuld, wer nicht hierherkommt.

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Brot&Stullen zu Mittag
Brot&Stullen zu MittagFoto: S. Kippenberger

So was hat er noch nie gesehen! Mit großen Augen klebt der kleine Lockenkopf an der Fensterscheibe, schaut zu, wie der Bäcker seinen Teig auf die archaische Waagschale wirft, wie er, ein Artist seines Fachs, das Brot-in-spe durchwalkt und fertige Laibe mit dem Holzschieber aus dem Ofen zieht. Die Mutter muss ihren Sohn nach draußen schleifen.

Die gläserne Backstube ist Teil von „Brot & Butter“, dem kulinarischen Annex von Manufactum. Dort kann man sich das herrliche Sauerteigbrot mit der krachend dunklen Kruste auch gleich belegen lassen. Die Stulle, to stay or to go, steht im Mittelpunkt des Bistros.

Der Service ist fix, ein schneller Blick in die Karte, ah, Ahle Wurscht, die kriegt man nicht oft in Berlin. Eine Rohwurst, weicher als Salami und mit kräftigem Schweinegeschmack, in dünnen Scheiben auf die dicke Knifte gelegt (4,90 Euro), zivilisiert auf einem Porzellanbrettchen serviert. Das Sauerteigbrot ist so stark, dass es auch nur mit Butter schmeckt (2 Euro). Anderswo werde ich ausgelacht, wenn ich mir Marmelade auf Käse streiche, hier könnte ich Milchstuten mit Kalbsleberwurst und Pflaumenmus bestellen oder Cheddar mit süß-säuerlicher Red-Onion-Marmelade.

Alles kann man für zu Hause kaufen

Ich habe einen Logenplatz im großen Schaufenster erwischt, mit Blick auf die quietschgrüne TU. Studenten ziehen vorbei, mancher Passant ist mondäner als erwartet, Touristen verirren sich nicht viele an die Verkehrsinsel namens Ernst-Reuter-Platz. Die Stulle kommt, und damit die Bestätigung: Es gibt sie tatsächlich noch, die guten Dinge.

Sich über Manufactum zu mokieren, die Kunden als weltfremde Nostalgiker in einer digitalen Welt zu verspotten, ist ja schick geworden. Selber schuld, wer deshalb nicht hierherkommt. Der verpasst kräftige Rügener Leber- und mürbe Kasseler Blutwurst, französische Flûtes und schweizerisches Wurzelbrot, englischen Stichelton (Stilton aus Rohmilch) und sardischen Fiore Sardo. Wurst, Käse, Gebäck, alles kann man für zu Hause kaufen. Apfelkraut nehme ich auch noch mit.

Sicher ist das alles teurer als in der Mensa gegenüber. Die guten Dinge fallen nun mal nicht vom Fließband. Und doch schlägt selbst an der Kasse mein westfälisches Herz hoch: Dort liegen echte Stutenkerle.

Adresse  Hardenbergstraße 4-5, Charlottenburg, Tel. 263 003 46.

Im Netz  brot-und-butter.de

Geöffnet  Mo-Fr 8-20 Uhr, Sa 8-18 Uhr.

Interessanter Nachbar  Philomenis, griechische Feinkost, Knesebeckstr. 97

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