Berliner Imbisse im Test : Dada Falafel

Kichererbsenbällchen, Auberginenmus und mariniertes Lamm: In diesem Mini-Restaurant mit Take-away-Tresen lohnt es sich, alles im Sitzen zu kosten.

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Himmlisch. Ein Dada-Falafel-Teller mit schillernden Zutaten.
Himmlisch. Ein Dada-Falafel-Teller mit schillernden Zutaten.Foto: Esther Kogelboom

Drei braune Tischtennisbälle liegen in ihrem Salatbett, rundherum bunte Saucen – je schärfer, desto weniger davon. Ein Häufchen Couscous mit Weintrauben, ein Hügelchen Petersiliensalat. Dazu etwas stückiges Auberginenmus und Schnetzelstreifen des sauer marinierten, am Spieß gebratenen Lammfleischs. Der Himmel ist ein Dada-Falafel-Teller (8 Euro).

Klar gibt es am Oranienburger Tor auch Falafel im Brot. Doch wer sich an den schillernden Zutaten berauschen möchte, dem sei die Teller-Variante empfohlen. So liegt alles hübsch ausgebreitet nebeneinander, und man kann verschiedene Kombinationen ausprobieren, statt alles gleichzeitig verschlingen zu müssen. Lamm mit Fruchtsauce, Brot mit Petersiliensalat und Sesamsauce, Auberginenmus mit dem herrlich dickblättrigen Salat. Frittierte Kichererbse, die hier besonders fluffig ist, mit Traube.

Es lohnt sich, alles im Sitzen zu kosten. Dada Falafel besteht aus einem Take-away-Tresen und eben diesem Mini-Restaurant, wo man blitzschnell am Platz bedient wird. Der Laden ist voll, auf manchen Tischen wachen „Reserviert“-Schildchen – vielleicht, um ein Argument gegen Partytouristen zu haben, die den Verkehr an dieser Ecke am Wochenende schon zum Erliegen gebracht haben. Allein der pumpende Beat, der in den langen, schmalen Raum dringt, ist ein Zugeständnis an die Klientel.

Wer möchte ernsthaft beim Inder mit 400 Plätzen essen?

Ein Gedicht von Khalil Gibran leuchtet in Glanzbuchstaben von der Wand, man kann es nicht entziffern, über der Bar hängt ein explodierender Stern von Rahaus. Der Blick aus dem Fenster: Straßenbahnen, die Ruine der Ruine des Tacheles.

Nebenan, auf der Oranienburger Straße, war mal das „Obst & Gemüse“, daneben das „Fresco“ (oder hieß es „Freßco“?), wo es die Spinat-Quiche der 90er Jahre gab. Diese Läden sind seit Langem verschwunden, und dass sie der Gegend schmerzlich fehlen, ist keine neue Erkenntnis. Wer möchte ernsthaft beim Inder mit 400 Plätzen essen?

Dada Falafel ist ein rundum sympathischer Imbiss, der sich dem Druck des grassierenden Wahnsinns und des Ampelmännchen-Merch noch nicht gebeugt hat. Davon zeugen auch die vielen roten Lippenstift-Knutschmünder an den Wänden der Damentoilette.

Adresse  Linienstraße 132, 10115 Berlin-Mitte

Im Netz dadafalafel.de

Geöffnet  von 12 bis 24 Uhr

Interessanter Nachbar das japanische Restaurant Dudu an der Torstraße 134

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