Berliner Imbisse im Test : Deutsche Klassik: Der "Imbiss 204" in Prenzlauer Berg

Im Imbiss 204 kochen Stefan Kleinert und Andreas Breuer Spanferkel, Senfeier und Bouletten. Ihr Anspruch: die Ehrenrettung der Deutschen Küche.

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"Raffinierte Deutsche Küche" versprechen Stefan Kleinert und Andreas Breuer vom Imbiss 204.
"Raffinierte Deutsche Küche" versprechen Stefan Kleinert und Andreas Breuer vom Imbiss 204.Foto: Imbiss 204

Essen kann einschüchtern. Den amerikanischen Touristen am Nebentisch entfleucht angesichts des aufgetragenen Bouletten-Bohnen-Bratkartoffel-Bergs nur ein stummes „Oh my God.“ Schnell Handys raus. Fotos machen.

In der Tat, die Portion zu 8,40 Euro ist gewaltig. Aber Stefan Kleinert und Andreas Breuer vom Imbiss 204 in Prenzlauer Berg können das erklären. „Ganz am Anfang hatten wir oft ein paar Bauarbeiter mit großem Hunger zu Gast“, erzählen sie über den Tresen und das Gebrutzel am Herd hinweg. „Als andere Gäste sahen, dass die drei Bouletten bekamen, wollten sie das auch.“ Seitdem sind die würzigen Fleischklopse fester Teil der Stammkarte.

Spanferkel, Leberkäse, Hecht: Deutsche Klassik

2010 eröffneten die Köche, die sich im Aigner am Gendarmenmarkt kennenlernten, ihren Laden. Unter dem Motto „Fast Food ohne Fritten und Fritteuse“ kochen sie deutsche Klassiker: Spanferkel, Seehecht, Frikassee, Leberkäse ... Im Kühlschrank lagern Hipster-Limo, Bier aus Sachsen-Anhalt und Berliner Cidre.

Heute stehen Senfeier mit Räucherlachs und Salzkartoffeln für 7,50 Euro auf der Tageskarte. Vorneweg ein Salat mit Mangold, Kirschtomaten und dicker Vinaigrette. Dazu etwas weiches Baguette. Die Senfsoße ist dank der Senfkörner von angenehm bissiger Konsistenz, die Kartoffeln sind nicht zu weich, die Eier nicht zu fest. Muss man auch erst mal können. Ob das nun gute Hausmannskost oder „Raffinierte Deutsche Küche“ ist, wie das Schild am Eingang verheißt? Keine Ahnung. Ist es lecker? Aber hallo!

Braune Fliesen? Mutig im durchgestylten Berlin

Einen amüsanten Kontrast bietet das handwerkliche Können zu dem Interieur, das man, ohne böse zu sein, ein wenig spelunkig nennen darf: braune Fliesen, orange Türbögen, 1970er-Logo. Mutig im durchgestylten Berlin. Kleinert lacht. „Bevor wir den Laden übernommen haben, wurden hier schon lange Pizza und Döner verkauft“, erzählt er. „Den Imbissbuden-Flair wollten wir beibehalten.“

Antrieb der beiden ist auch die Ehrenrettung der deutschen Küche „In Berlin wird die ja fast nur für Touristen gemacht, die Qualität ist häufig mau.“ Deshalb schaben sie ihre Spätzle selbst und formen die Fleischbällchen von Hand. Was man von denen nicht schafft, wird gerne eingepackt. Nicht selten reichen die Reste für ein komplettes Abendessen. Das relativiert dann auch die für einen Mittagstisch nicht ganz günstigen Preise.

Adresse  Prenzlauer Allee 204, 10405 Berlin, Telefon: 030 / 240 38 543
Geöffnet  Mo-Fr 12-22 Uhr
Im Netz imbiss204.de
Interessanter Nachbar Bei anschließendem Völlegefühl gibt es im Immertreu grandiose Cocktails

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