Berliner Imbisse im Test : Feines aus Österreich

Im Laden von Iris Holborn gibt es Leberkäsesemmeln, Marillenknödel und eine selbst gemachte Leberknödelsuppe.

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Ein Stückchen Österreich in Charlottenburg.
Ein Stückchen Österreich in Charlottenburg.Foto: promo

Alpiner wird’s nicht in Berlin, so sternenklar und kalt die Nächte, so sonnig der Tag, die Luft so krisp. Wie am Berg sehnt man sich da nach einer Jause. Und als handele es sich um die mühsam erwanderte Almhütte, stoßen mittags in der Leonhardtstraße immer wieder Leute eine weiße Ladentür auf, sagen ganz unironisch „Grüß Gott“ und wollen vermutlich doch bloß Weltliches, nämlich „Feines aus Österreich“.

Die Inhaberin Iris Holborn hat sich 2011 aus Heimweh hinter die Theke gestellt, die Berliner kommen bis heute aus Fernweh, das macht nichts, man kann ja für die gleiche Sache verschiedene Motive haben. Vor den Fenstern flanieren die Charlottenburger Schriftsteller und treten mit ihren Loafern das Pflaster platt. Sie werfen einen vertrauten Blick in den rot-weiß-hölzernen Laden, eigens geschaffen für die auch in Berlin verbreitete Käferbohnensehnsucht und den Marillenfetisch.

Die Marille liegt gezuckert in der Marmelade, in der Schokolade, im Schnaps, sogar auf der Mohntorte hat sich eine langgemacht. Jeden Freitag gibt es mittags Marillenknödel, an den anderen Tagen etwas Zünftiges, Leberkäsesemmeln immer, und heute, am Montag, eine selbst gemachte Leberknödelsuppe.

Vieles ist in Österreich eine Frage des Ausdrucks

„Grüß Gott. Was hätte ich wohl gerne?“, fragt ein Stammgast. „Eine Schinkensemmel,“ sagt die Inhaberin. „Richtig, aber mit halb so viel Kren wie beim letzten Mal.“ Ob auch der Kren selbst angebaut sei? Nein, den muss sie importieren, denn der wachse auf Märkischem Sand nicht so scharf. Und Schärfe ist gewünscht. Früher habe ihre Oma, kaum war eine Erkältung im Anzug, geriebenen Meerrettich mit Honig serviert.

Das alles wird geredet in der kurzen Zeit, in der die stärkende Leberknödelsuppe die Kehle wärmt. „Was bestellt der Österreicher, wenn der Italiener einen Espresso macchiato bestellt?“, fragt ein Kunde vorsichtig. Den Gästen ist bewusst: Vieles ist in Österreich eine Frage des Ausdrucks. „Einen kleinen Braunen“, kündigt Holborn an und balanciert auf einem silbernen Tablett eine rote Meinl-Tasse, „das bestellt der gemeine Österreicher“. Aber gemein waren heute nur die drei Männer, die plötzlich im Laden standen. Als sie gingen, ohne etwas gekauft zu haben, fehlte auch eine Packung Vanillekipferl. Es muss die Gegend sein. Sogar die Diebe haben Geschmack.

Adresse  Leonhardtstr. 11, Charlottenburg, Tel. 310 168 20

Im Netz  feinesausoesterreich.org

Geöffnet  Mo-Fr 9 bis 18, Sa 9 bis 14 Uhr

Interessanter Nachbar Die Buchhandlung „Hacker und Presting“ gegenüber

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