Berliner Imbisse im Test : Gemüsesuppe und Quiche im Cadadia

Suppen, Suppen, Suppen: Im Cadadia in der Charlottenstraße kennt man sich aus mit der wärmenden Flüssignahrung.

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Die arabische Gemüsesuppe ist lecker fruchtig, könnte geschmacklich aber auch im italienischen Raum verortet werden.
Die arabische Gemüsesuppe ist lecker fruchtig, könnte geschmacklich aber auch im italienischen Raum verortet werden.Foto: Moritz Honert

Wartehallen sind trotz ihres Namens Orte des Durchgangs, nicht selten des betriebsamen: Züge wollen erreicht, Anschlüsse nicht verpasst werden. So wundert es wenig, dass im Cadadia in Mitte, das schon mit seinen weißen U-Bahnkacheln, den zerlesenen Zeitungen und grünen Industrielampen die Anmutung eines Bahnhof-Bistros macht, ein Gedränge und ein Lärm herrschen wie sonst zu Stoßzeiten an der nahen S-Bahnstation Friedrichstraße. In dem Raum, der 35 Leute gut fassen könnte, drängeln sich mittags knapp 50.

Im Trippelschritt vorbei an der obligatorischen Kreidetafel

Nur in Trippelschritten bewegen sich die neu Ankommenden am Tresen vorbei. So hat man Zeit, in Ruhe die obligatorische Kreidetafel zu studieren. Das Angebot wechselt wöchentlich und besteht im Wesentlichen aus Suppen. Heute gibt es zum Beispiel Berliner Bohneneintopf mit Speck, vegane Karotten- oder Linsensuppe mit Backpflaumen. Am verlockendsten sieht der Arabische Gemüseeintopf mit Couscous und Minze aus (4,95 Euro). Dazu gibt es Graubrot, das frisch ist, laut Personal jedoch mitnichten selbstgebacken, wie gelegentlich berichtet wird.

Das Angebot im Cadadia wechselt wöchentlich.
Das Angebot im Cadadia wechselt wöchentlich.Foto: Moritz Honert

Dann gilt es, den Teller an einen der Stehtische zu bugsieren. Auch dabei kommt Bahnhofsgefühl auf: Betagte Touristen mit Lodensakko und Siegelring stehen neben den aus umliegenden Büros strömenden Mitdreißigern, die auch zum Essen ihre Wollmützen anbehalten. Ein Ort der egalitären Begegnungen. Manchmal unfreiwillig, wenn man beim Jackeausziehen den Nachbarn rempelt. „Guten Appetit“ wünscht der höflich.

Die Quiche ist aus Blätter- und nicht aus Mürbeteig

Die arabische Suppe ist eine der rustikalen Art und von sehr angenehmer Fruchtigkeit und Süße. Was die Gewürze angeht, könnte man den Mix aus Tomaten, Karotten und Erbsen jedoch ebenso problemlos in Italien verorten. Auch die sicherheitshalber bestellte Pilz-Quiche (5,35 Euro) – die Schüsseln reichen eher für den kleinen bis mittleren Appetit – nimmt sich Freiheiten. Statt flach und fest wie eine Torte ist sie voluminös und fluffig wie ein Stück Käsekuchen, weil nicht aus Mürbeteig, sondern aus Blätterteig gebacken. Der Jogurt-Dip könnte nächstes Mal gerne kräftiger gewürzt werden, denkt man beim Auftunken, da wird einem der Teller schon weggeräumt. Keine Zeit zum Verweilen. Die Reise muss weitergehen. Die nächsten Gäste warten schon.

Liberté. Die Quiche wird mit Blätterteig und nicht mit Mürbeteig gemacht.
Liberté. Die Quiche wird mit Blätterteig und nicht mit Mürbeteig gemacht.Foto: Moritz Honert

Adresse  Charlottenstr. 63, Mitte, 030/346 20 808, cadadia.com,

Geöffnet  Mo-Fr 9–18 Uhr, Sa 9–17 Uhr

Interessanter Nachbar  Nachtisch gibt’s im Rausch Schokoladenhaus direkt nebenan

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