BERLINER SPITZENKÖCHE verraten ihre Tricks : Kartoffelkäsestangen

…und die Lektüre dazu

Carmen Krüger

Das ist ein schöner Snack zur Frauen-WM, für die Halbzeit, zu einem Gläschen Rotwein. Den Teig können Sie schon einen Tag vorher vorbereiten. Dafür 300 Gramm mehlig kochende Kartoffeln schälen, weich kochen, abgießen und durch die Presse drücken. Dann mit 150 Gramm Butter, 200 Gramm Mehl, Salz und 100 Gramm geriebenem würzigen Käse – Gruyere oder Parmesan – schnell verkneten. Den Teig formen Sie zu einer Rolle und legen ihn für eine Weile in den Kühlschrank, damit er fest wird. Dann schneiden Sie kleine Stücke ab und rollen sie zu langen Stangen – 20 kommen aus der Menge ungefähr raus. Die werden auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech gesetzt, mit einer Mischung aus zwei Eigelb und 50ml Sahne, die Sie miteinander verschlagen haben, bepinselt und je nach Geschmack mit Kümmel und Meersalz oder Mohn bestreut. Die Stangen werden bei 190 Grad auf der mittleren Schiene 10 bis 15 Minuten gebacken. Am besten schmecken sie frisch – warm oder lauwarm.

Carmen Krüger kocht in ihrem Restaurant in Eichwalde bei Berlin

Es gibt immer noch Leute, die sich nicht für Fußball interessieren. Nicht, dass sie was dagegen hätten. Sie haben nur nichts dafür. Aber auch diese Menschen haben Hunger und Durst, knabbern gern ein paar Kartoffelkäsestangen und trinken ein Gläschen Wein dazu. Oder zwei. Nur sitzen sie dabei nicht vor dem Fernseher.

Vielleicht schnappen sie sich ein Buch, verziehen sich in eine ruhige Ecke und tauchen ab in eine andere Welt. Zum Beispiel die des Monsieur Balzac. Die hat Anka Muhlstein unter kulinarischen Gesichtspunkten durchstreift und ein schlankes, elegantes Buch darüber geschrieben: „Die Austern des Monsieur Balzac“ (Arche Paradies, 19,90 Euro). Die Französin, Ehefrau des Schriftstellers Louis Begley, hat eine einfache Erklärung, warum Balzac mal zur Askese, mal zur Völlerei neigte (dann schlürfte er 100 Austern auf einen Schlag, verschlang in einer Viertelstunde eine ganze Gans): Entweder er aß – oder seine Romanfiguren taten es. Wenn er schrieb, begnügte Balzac sich mit einem weich gekochten Ei am Morgen und einem Stück Geflügel am Abend; dann deckte er seinen Figuren den Tisch. Und wie der gedeckt ist, wie die Bouillon der Hausherrin schmeckt, damit sagt der Romancier viel über seine Gesellschaft aus. Mit leichter Hand skizziert Mahlstein, wie Balzac aus getrüffelten Schweinsfüßen und Brot nach Belieben ganze Sittengemälde malte. Das liest man mit Vergnügen – ohne dass man sich selber durch die ganzen dicken Wälzer futtern muss. Aber wer weiß, der Appetit kommt ja bekanntlich beim Essen. kip

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben