Das Dessert royal : Die süße Charlotte - zum Verspeisen

In England wird die Prinzessin getauft. Sie heißt wie die bekannte Süßspeise: Charlotte. Dazu passend hier vier erlesene Rezepte.

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Prinzessin Charlotte von Anna Plagens, Du Bonheur
Prinzessin Charlotte von Anna Plagens, Du BonheurFoto: Thilo Rückeis

Tiramisu kann jeder. Aber eine stabile Krone aus zarten Löffelbiskuits und leichter Creme bauen, ohne dass die Konstruktion schwankt oder gar in sich zusammensinkt, das ist die hohe Kunst. Die Königsdisziplin. Besser gesagt: Königinnen. Queen Charlotte zu Ehren soll die Charlotte im 19. Jahrhundert nämlich getauft worden sein. Die „Queen of Botany“, Gattin von King George III., galt als leidenschaftliche Patronin der Apfelbauern. Und in seiner ursprünglichen Form war das Dessert mit gedünsteten Äpfeln gefüllt. Das Äußere bildeten gebutterte Brotscheiben, in eine Kugelform gelegt; auf die Früchte obendrauf kamen auch noch mal Brot oder Brösel, dann ab in den Ofen. Serviert wurde der „Pudding“ warm.

Verfeinert hat ihn der legendäre Carême (1784–1833), der als Konditor und Koch Europas Herrschaftshäuser mit seinen üppig dekorierten Speisen beglückte. Das Brot ersetzte er durch Biskuit, die Äpfel durch eine Bayerische Creme. Dann wurde das Ganze gekühlt, auf dass es fest und später ohne Schaden gestürzt werden konnte. (Wie gelegentlich auch Monarchen, witzelt ein kulinarisches Nachschlagewerk.) Zar Alexander I. zu Ehren soll Carême seine Variante Charlotte russe genannt haben.

Also: wann, wenn nicht jetzt? An diesem Wochenende wird die Tochter von Prinz William und seiner Kate auf den Namen Charlotte getauft, was „kleine Tüchtige“ bedeutet. Vielleicht gibt es zum Festmahl ja auch eine Charlotte. Rein theoretisch könnte die kleine Prinzessin diese mit ihren zwei Monaten schon essen: Zähne braucht man dafür nicht.

Als „äußerst liebenswürdiges Wesen“ hat das Appetit-Lexikon von 1894 die Speise beschrieben. Vor allem ist sie inzwischen eine außerordentlich vielfältige: ein Dessert für jede Jahreszeit. Man kann Äpfel, Birnen, Pflaumen nehmen, Erdbeeren, Mango oder Aprikosen, die Bayerische Creme lässt sich durch Mascarpone, Joghurt oder Schlagsahne ersetzen, durch Fruchtgelee oder gar Eis, anstelle der Löffelbiskuits kann man auch Waffeln oder Biskuitboden nehmen ...

Obwohl in England zur Welt gekommen, ist die Charlotte in ihrer gekühlten Form längst ein Klassiker vor allem der französischen Patisserie. Die zum Glück inzwischen auch Berlin erreicht hat. Zwei Meisterinnen des Faches stellen auf dieser Seite ihre Rezepte vor. Wichtigster Tipp von Sarina Roscher für eine stabile Konstruktion: mit vier Händen bauen.

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