Hip Hop : Die Tierfreunde

Die Rapper von K.I.Z. sind sich einig: Fleisch muss sein, und zwar viel davon. Stress gibt’s nur bei der Frage: Um wieviel Uhr Döner essen? Ein Fachgespräch.

Ulf Lippitz
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Ohne Fleisch geht gar nichts: Rapper Tarek von K.I.Z bei der Rinderschlacht. -Foto: David Heerde

Die Deutsch-Rapper der Berliner Gruppe K.I.Z. sind bekennende Fleisch-Fans. Auf Fotos posieren sie mit blutigen Steaks, angeblich hat sich das Quartett seinen Vorschuss in Fleisch auszahlen lassen, immer wieder tauchen Metaphern aus der Welt der Metzger in ihren Titeln auf. Unser Autor Ulf Lippitz hat sich mit den Rappern Maxim, 23, und Tarek, 19, in einem Berliner Steakhaus zum Mittagessen getroffen.


MAXIM: Ein Essen ohne Fleisch? Da fehlt mir was. Eiweiß und Eisen brauche ich, um stark zu werden. Außerdem habe ich das Gefühl, die Eigenschaften des Tieres gehen auf mich über: zäh wie Leder, flink wie ein Windhund. Ich gehe sogar so weit zu sagen, psychologisch nimmt es uns die Angst vor dem Tod. Die Konfrontation mit dem leblosen Stück Fleisch zeigt uns die eigene Vergänglichkeit. Das wichtigste Argument aber: Ich liebe den saftigen Geschmack.


TAREK: Ein Leben ohne kann ich mir gar nicht vorstellen. Das mussten meine Eltern schon früh einsehen. Als ich drei war, wurden sie Vegetarier, keine Ahnung warum. Ich habe trotzdem auf Fleisch bestanden, Freunde und Verwandte haben es doch auch gegessen – und meine Eltern mussten es nur für mich zubereiten. Sie haben mir das nie ausgeredet, meine Mutter schaute beim Kochen nur angewidert. Mir hat es immer geschmeckt. Am liebsten mochte ich damals Rehragout mit Preiselbeersauce.


MAXIM: Das Vegetariertum hat schon einen Vorteil: Dann sind die Beilagen nämlich immer gut – und die sind dafür da, damit das Fleisch noch besser schmeckt. Wenn man zum Beispiel Sonnenblumenöl in der Pfanne heiß macht, dann kurz Zucchini, Paprika und Zwiebeln anbrät, so dass das Gemüse noch knackig ist – super.


TAREK: Ich schaue mir viel bei meiner Freundin ab. Sie kocht oft mit Honig und Senf, schmeckt toll. In Spanien, wo ich als Kind eine Zeit lang lebte, konnte man einfach Mayonnaise dazu essen. Deutsche Mayonnaise schmeckt leider so billig, vielleicht ist zu viel Zucker darin. Wenn wir über die spanischen Märkte gingen, sah ich Tiere mit abgezogener Haut – Hammel oder Hasen. Das roch streng, und meine Ekel-Grenze hat sich nach oben verschoben. Wenn wir bei meinen Großeltern eine Gans schlachteten, fand ich das nie abstoßend. Ich konnte sie festhalten und die Gedärme rausnehmen.


MAXIM: Meine Mutter ist mit mir auch immer auf Märkte gegangen, vor allem in Frankreich, sie kommt aus der Bretagne. Mir hat der Geruch nie was ausgemacht, in Deutschland sind die Leute viel empfindlicher. Ich kenne Menschen, die beim Geruch von Gurken die Nase rümpfen. Damals half ich beim Ausnehmen der Pute, ohne Handschuhe. Das wichtigste war, die Galle nicht zu zerdrücken. Ich griff tief bis zur Bauchdecke hinein, zog alle Innereien vorsichtig heraus, und wenn ich etwas Grünes sah, wusste ich, die Galle war draußen. Danach füllten wir die Pute mit Fleischbällchen und Pflaumen, und drum herum legten wir kleine Kartoffeln. Ich könnte kein Tier töten, aber es auszuweiden ist kein Problem.


TAREK: Habt Ihr die Innereien gegessen? Nee? Wir auch nicht. Ich habe mal darin herumgestochert, die finde ich widerlich. Gehirn könnte ich mir mal vorstellen zu essen, vielleicht mit Honig.

MAXIM: Leber hat so einen bitteren Geschmack, Steak schmeckt einfach besser. Ist nicht umsonst auf fast jeder Speisekarte zu finden. Aber solange wir nicht das Geld haben, jeden Tag essen zu gehen, werde ich es zuhause braten. Natürlich würde ich gerne richtiges Fleisch bei Neuland holen oder direkt vom Jäger, aber dafür reicht es noch nicht. Wir müssen unsere Steaks im Supermarkt kaufen. Neulich habe ich dort ein Rib-Eye-Steak geholt, das war dermaßen faserig, dass ich die Hälfte ausspucken musste. Vielleicht hätte ich das Filet nehmen sollen, es ist das faserärmste Fleisch. Aber beim Rib-Eye ist so ein kleiner Fettring in der Mitte, ich nenne es gesundes Fett, das im Mund zergeht – und deshalb mag ich es so gerne. Ich bestelle mir gleich ein 580-Gramm-Steak davon.


TAREK: Eigentlich wollte ich auch so auf den Putz hauen. Gut, dann nehme ich eben das American Tenderloin, das beste Stück des Filets.


MAXIM: Manchmal liefere ich mir mit unserem Labelchef Marcus Staiger eine kleine Schlacht: Wer schafft das größte Stück Fleisch? Ich trainiere fünf Mal pro Woche Kampfsport in Neukölln, unser Labelchef auch, danach sind wir hungrig und gehen ins Louis, am Richardplatz in Neukölln. Da wiegt das größte Schnitzel 800 Gramm. Ich habe einmal gewonnen, aber ganz aufessen konnte ich es auch nicht. Ich hatte einfach den kleineren Rest, mir war danach eine Stunde lang schwindlig. Seitdem sage ich mir: Lieber schlau sein und verlieren.

TAREK: Erinnerst du dich, einmal spielten wir ein Konzert in einer westdeutschen Kleinstadt, und gleich nach der Ankunft rief der Veranstalter uns zu: Jungs, wir haben hier den besten Döner, den ihr je gegessen habt! Wir waren sofort skeptisch. Und er hat tatsächlich geschmeckt wie ein Drecks-Ein-Euro-Döner. Als er uns fragte, wie wir ihn fanden, mussten wir ihm das leider sagen.


MAXIM: In Sachen Döner kennen wir uns aus. Als wir das Album in Berlin aufgenommen haben, gab es um die Ecke nicht viele Möglichkeiten etwas Anderes zu essen. Das Bagdad am Schlesischen Tor ist zum Beispiel ein guter Laden.


TAREK: Oder Harsir an der Adalbertstraße. Döner ist ein gutes Essen, wenn man am Ende des Monats nicht mehr viel Geld übrig hat, aber gerne Fleisch im Magen hätte. Ein Döner mittags um zwölf, dann wird der Tag schon.


MAXIM: Ich finde, das Fleisch ist am besten am Nachmittag, so um drei. Morgens ist es noch nicht durch – und abends ist es zu durch. Der Skandal hat unsere Lust am Döner nicht beeinträchtigt. Was ich viel perverser finde, ist die Käfighaltung bei Hühnern. Am Ende schmeckt das Fleisch nach nichts mehr. Da gucke ich auf das Etikett. Es gibt zum Beispiel französische Freiland-Hühner, wenn ich die zwei Tage später noch mal zubereite, schmecken sie noch gut. Und sie füllen, als hätte man Kartoffeln gegessen. Pute ist der kürzeste Energiespeicher für Kraftsportler. Ich habe gehört, die kaufen sich das als Präparate und nehmen sie vor dem Training ein. Wer es mag, bitte. Wenn ich Pute liebe, dann als knuspriger Weihnachtsbraten. Zu Weihnachten kauft meine Mutter eine, die schon ausgenommen ist, im Lafayette an der Friedrichstraße.


TAREK: Ich finde, Gans oder Ente mit Honigkruste wertet jedes Weihnachten auf. Letztes Jahr wollte ich mit einem Kumpel eine Gans zubereiten, aber trotz gemeinsamer Bemühungen ist es uns nicht gelungen. Vielleicht klappt es dieses Jahr.


MAXIM: Viel besser als Ente und jedes Steak schmecken Lamm-Koteletts, wenn sie zart sind. Der Geschmack ist intensiv, er nimmt den der Gewürze gut auf, dagegen funktioniert ein Steak mit Kräutern überhaupt nicht. Salz, Pfeffer, Schluss. Das einzige Fleisch, das ich nicht so mag, ist Schweinefleisch, das schmeckt oft faserig und billig.


TAREK: Da fällt mir ein Fan von uns ein, der ein Video auf Youtube gestellt hat. Da trägt er um den Hals eine Kette, an der ein Schweinekopf hängt. Wir haben leicht wahnsinnige Fans, oder? Manchmal werfen Zuschauer auch rohes Fleisch auf die Bühne. Die wissen, dass wir darauf stehen.


MAXIM: Wir verheimlichen nicht, dass wir Fans von Grillfesten sind. Unser Promo-Foto zeigt uns mit einem Grillgerät und Fleisch auf der Warschauer Brücke. Normalerweise grillen wir mit unserem Labelboss im Garten – oder auf der Bühne. Der Grill steht rechts und einer unserer Mitarbeiter kümmert sich darum. Da gibt es dann Würstchen und ein paar Steaks, die wir ins Publikum werfen.


TAREK: Für uns hat Fleisch einfach einen symbolischen Charakter: Etwas zu zerstören, dann wieder etwas Neues daraus zu machen, das machen wir in unseren Raps genauso. Einen imaginären Gegner bekämpfen. Bei Fleisch kenne ich keine Grenzen. Würde heute Elefant auf der Karte stehen, hätte ich ihn probiert. Oder der blaugeringelte Oktopus. Ich weiß, es existiert eine Grenze zwischen Fisch und Fleisch, besonders für Vegetarier. Finde ich schwachsinnig. Genauso albern wie Menschen, die behaupten, sie rauchen nicht, kiffen aber gerne.


MAXIM: Ganz so verrückte Sachen muss es auf Tour nicht zu essen geben. Wir haben die Bedingung, dass ein Fleischgericht zur Auswahl stehen muss. Oft heißt das, indisches Essen, das ist wahrscheinlich einfacher zu kochen. Manchmal gibt es so einen Schnickschnack, den ich einfach nicht runter kriege – wenn Fleisch mit Käse überbacken ist beispielsweise. Einmal brachte uns ein Veranstalter aus dem Osten ein halbes Schwein backstage. Toll! Generell gilt: Das beste Essen gibt es oft bei Leuten, die wenig Geld für das Catering haben. Wie ist eigentlich dein Essen?


TAREK: Sehr gut. Ich bin gleich munterer geworden. Ehrlich gesagt, bin ich etwas neidisch auf dein Rib-Eye gewesen.


MAXIM: Es war wirklich gut – wie ein Brötchen aus Fleisch. Jetzt erst mal zwei Stunden ruhen, bloß kein Sport oder Sex.

Aufgezeichnet von Ulf Lippitz

K.I.Z. aktuelles Album „Hahnenkampf“ ist bei Universal erschienen, die Band tritt am 8. 12. in Huxley's Neue Welt auf.

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