Imbisskolumne : Schillerburger

Edel-Burger mit Ziegenkäse und Honig-Senf: Der Mund ist kaum groß genug, um manierlich in den Turm zu beißen.

Klassisch: Der BBQ-Burger.
Klassisch: Der BBQ-Burger.Foto: Promo

Neukölln ist überall. Jetzt auch in Schöneberg. Kurz zuvor war ich extra in die Herrfurthstraße gereist, um den gepriesenen Schillerburger zu kosten. Voller Erfolg: Saftig das Fleisch, knackig der Salat, cremig der krönende Ziegenkäse mit sanftem Honig-Senf, knusprig das Sesambrötchen, selbst gebacken in der eigenen Backstube nebenan. Der Mund ist kaum groß genug, um manierlich in den Turm zu beißen. Dazu Süßkartoffel- und Kartoffel-Pommes gemischt – beide kross und kräftig gesalzen, ich kann mich nicht entscheiden, welche ich besser finde – mit schön säuerlicher Mayonnaise und pikanter Mangosauce, wie fast alles hier selbst gemacht. Danach hab ich mir die Finger geschleckt.

Die Hipster aus Schöneberg

Ein paar Tage später kam ich durch die mir altbekannte Akazienstraße und traute meinen Augen nicht: ein Schillerburger! Der neueste Ableger des Erfolgsmodells, im Dezember eröffnet. Winzig wie in Neukölln ist der Laden – „ein Loch in der Wand“ nennt man so was im Angelsächsischen. Ein Loch, dessen Deckel nicht richtig schließt, eiskalt zieht es durch den Türspalt rein. Aber das hält keinen Fan fern. Ich wusste gar nicht, dass es in Schöneberg so viele Hipster gibt, an diesem Sonntagabend scheinen sich alle in dem Räumchen versammelt zu haben. Der Look vertraut rau, der Backstein unverputzt. Die Burger werden auf der Tafel annonciert, Schillerzitate würzen das Gedeck: „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.“

Slow Food auf Brötchen

Fast Food? Von wegen. Alles wird frisch gemacht, das dauert halt, ein Viertelstündchen oder mehr. Und kostet. Fünf Euro in der einfachsten Variante, mit Ziegenkäse obendrauf 7,50, Bio-Fleisch noch mal zwei Euro extra. Aus rund 17 Varianten kann man wählen, auch Vegetarier kommen voll auf ihre Kosten, Rote Bete, Halloumi oder Süßkartoffeln ersetzen gut gewürzt das Fleisch.

Im Schillerkiez fing 2012 alles an. Da galt der Edel-Burger-Laden samt Backstube und Bar noch als Bedrohung für das Viertel, sie wurden mit Farbe beschmissen. Inzwischen breitet man sich über ganz Berlin aus. Ein großer Lebensmittelkonzern ist eingestiegen, die Expansion geht weiter, Hamburg ist als nächstes dran. Also: nix wie hin, bevor das Besondere endgültig zur Masche wird.

Adresse Akazienstraße 2, 10823 Berlin-Schöneberg und acht weitere Standorte

Geöffnet  So-Do 11-22 Uhr, Fr & Sa 11-24 Uhr.
Im Netz schillerburger.com

Interessanter Nachbar  Kochhaus, „das begehbare Rezeptbuch“, Akazienstraße 1

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