Imbisstest in Kreuzberg : Prisma Pavillion 4ever!

Harte Nacht gehabt? Hunger? Da hilft nur eins, das wusste schon Liebling Kreuzberg. Warum es manchmal ein Spätigarten mit Steinofenanschluss sein muss.

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Harte Nacht. Liebling war im „Weinhimmel“, in der „Badener Hütte“ und wer weiß, wo sonst noch, Bier floss, Schnaps, viel davon. „Oh Mann, was für ein Morgen“, sagt er, setzt den Hut auf und verlässt das Büro. Nächster Stopp: die Imbissbude am Fraenkelufer. Liebling Kreuzberg, Staffel 2, Folge 3. Die ist von 1988.

Im Jetzt sieht alles genauso aus. Blick auf den Kotti im Norden, im Süden führt die Brücke gen Neukölln, die Fassaden der Häuser, der Kanal, sogar die Klamotten der Passanten. Zwei Dinge haben sich jedoch entschieden verbessert: die Frisuren der Leute – und die Bude. Wo 1988 verkaterte Gaumen mit Fleischbräterzeugnis vom Spieß aus dem Holzbrettverschlag heraus befriedigt wurden, steht heute der „Prisma Pavillion“. Begehbar, mit Sitzplätzen, die nur keiner nutzt, hier isst man draußen, Jahreszeit egal, gibt ja zwei Sonnenschirme gegen das Wetter und überhaupt – man fühlt sich wie im Biergarten. Ein Spätigarten. Einer mit Steinofen.

Kliiiiirrrcsh!

Im Minutentakt ruft der Mann hinterm Fenstertresen „Prosciutto!“, „Mini Salami!“, „Pizza Prisma!“. Ein anderer, beige Shorts unten, Cowboyhut oben, räumt jeden leeren Teller, jede ausgetrunkene Flasche blitzschnell weg, wischt die Tische. Die Toiletten (gibt es!) sind sauber, an diesem Ort, wo Obdachlose streunen, Restefeierer rasten. Menschen, die ins Fitnessstudio gegenüber wollen oder einkaufen bei Netto. Viele, die joggen, ganze Laufgruppen schnaufen vorbei, man lächelt ihnen zu, den Armen, und, einen Meter weiter, Menschen, die ihr Altglas entsorgen. Kgschhh. Grünglas.

Kaum sitzt man, ist das Essen fertig, fünf Minuten, maximal – dies ist schließlich ein Schnellimbiss. „Pasta Gorgonzola!“ Dgnklirrr, Braunglas. Kulinarisch kein Erlebnis, im liebsten Verhältnis der Deutschen, dem von Preis und Leistung aber voll okay, die Nudeln al dente, der Pizzaboden knusprig, und alles auch als kleine Portion zu haben.

Man muss nur wissen, dass auf der Vegetaria Lauch ist, eine Menge Lauch. Und, dass eigentlich immer zu viel drauf (Pizzabelag) oder dran (Pastasoße) ist. Der Profi bestellt „mit weniger von allem“. Die günstigen Preise (ab 3,90 Euro) holt der Besitzer – derselbe seit 30 Jahren – bei den Getränken wieder rein, man bleibt gern ein Weilchen, so gemütlich hier, noch ein Gösser zum Straßenkino, „Börek 2!“, „Börek 4!“ Dabei ist doch der beste „Börek 3“. Kliiiiirrrcsh! Weißglas. Prisma 4ever!

Adresse  Kohlfurter Ecke Kottbusser Str., Kreuzberg

Geöffnet  10–2 Uhr, Fr/Sa "länger"

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