Imbisstest : Missionieren mit Nudelsuppe

Im Schöneberger „Ixthys“ versorgt eine Südkoreanerin ihre Gäste mit authentischer Hausmannskost und weisen Bibelsprüchen.

Park Young Ai zwingt keinen Gast zu einem Gespräch über den Glauben.
Park Young Ai zwingt keinen Gast zu einem Gespräch über den Glauben.Foto: Ulrich Goll

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Anderswo mag das eine Floskel sein, hier ist es ernst gemeintes Programm. Der Satz steht auf Seite Eins der Speisekarte, noch vor Tofubraten, Bibimbab und dem Nudeltopf mit Gemüse.

„Ixthys“ heißt der kleine Imbiss von Young-Ai Park. Der altgriechische Begriff bedeutet Fisch, ein Erkennungszeichen der Christen. Park, die in den 1970er Jahren aus Südkorea nach Deutschland kam, hat das Lokal eigentlich nur aufgemacht, um für ihren Glauben zu werben. Zunächst 1998 hinterm KaDeWe, dann seit 2001 hier am Winterfeldtplatz.

Die Karte ist übersichtlich und die Küche koreanische Hausmannskost im besten Sinne. Park selbst ist keine Profiköchin, sie kocht einfach so, wie sie es zu Hause gelernt hat. Dass es schmeckt, lässt sich schon daran erkennen, wie voll der Laden seit Jahren zu fast jeder Tageszeit ist – und dass sich unter den ziemlich jungen, buntgemischten Gästen viele Koreaner finden. Yachae-Kalgugsu, Nudelsuppe mit Gemüse, oder Dalg-Kalgugsu (die Variante mit Hühnchen) gibt es für je 8,50 Euro, eine Schale mit Bulgogi, koreanischem „Feuerfleisch“, für 9,50 Euro. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Gerichten mit Fisch und Meeresfrüchten. Dazu kann man zum Beispiel typischen Gersten- oder Ingwertee trinken.

Bekehren sollen Bibelzitate

Die Chefin zwingt keinen Gast zu einem Gespräch über seinen Glauben. Wer sich interessiert, dürfe gern auf sie zukommen, sagt sie.

Bekehren sollen Bibelzitate: die in der Speisekarte und jene, die Park in Schwarz und Rot auf weiße Stofftücher geschrieben hat. Sie hängen ringsum an den Wänden. „Sehen Sie da!“, sagt die Koreanerin und deutet auf eines der Tücher. „Wenn der Heilige Geist kommt, wird er den Menschen dieser Welt beweisen, dass sie schuldig sind.“ Wer es genauer wissen will: Neben dem Kühlschrank steht ein Körbchen voller Bibeln, auf Englisch, Französisch, Russisch.

In kaum einem anderen Land Asiens hatten die Missionare, vor allem die protestantischen, so großen Erfolg wie in Korea. Pjöngjang, nun Hauptstadt des stalinistischen Nordens, wurde mal „Jerusalem Ostasiens“ genannt, und in Seoul leuchten nachts die Neonkreuze tausender Kirchen. Doch Missionierung durch gutes Essen? Darauf sind die Europäer einst nicht gekommen.

Adresse  Pallasstraße 21, Schöneberg

Telefon  030/81 47 47 69

Geöffnet  Mo–Sa 12-21.30 Uhr

Interessanter Nachbar Winterfeldt Schokoladen, Goltzstraße 23

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