Kolumne: Von Tisch zu Tisch : Schwertfisch-Kebab mit Knoblauchbrot im "Osmans Töchter"

Warum es in der größten türkischen Stadt außerhalb der Türkei nicht viel mehr moderne Restaurants mit dieser Küchenrichtung gibt, bleibt ein Rätsel. Die jungen Vietnamesen mit ihren zahllosen In-Restaurants führen ja sehr erfolgreich vor, wie man mit ethnischen Spezialitäten den Zeitgeist mitten ins Herz treffen und beim jungen, ausgehfreudigen Publikum Erfolge feiern kann.

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Osmans Töchter, Pappelallee 15, Prenzlauer Berg, Tel. 32663388, Di bis Fr 18 bis 24 Uhr, Sa und So 14 bis 24 Uhr.
Osmans Töchter, Pappelallee 15, Prenzlauer Berg, Tel. 32663388, Di bis Fr 18 bis 24 Uhr, Sa und So 14 bis 24 Uhr.Foto: Tsp

Dies ist aber nicht der Platz zum Meckern, denn kürzlich haben zwei junge Frauen mit Witz und Originalität in Prenzlauer Berg einen neuen Magneten für Freunde der türkischen Küche geschaffen. Spielerisch verfremden sie die übliche Folklore oder verzichten gleich ganz darauf. Das wirkt nur auf den ersten Blick spartanisch. Grauer Zementfußboden ist sowieso gerade der letzte Schrei dieser Gegend. Weiß besprühte Teppichrückseiten über bunten Spitzenkissen auf hellen Holzbänken ersetzen die Wandbehänge. Vor der offenen Küche steht eine Tafel, wie geschaffen für die kleine Geburtstagsfeier, mit verschiedenen Stühlen drum herum, dahinter schließt sich ein schwarzer Loungebereich an.

Dazu passt das Küchenteam, das sich zusammensetzt nach dem Motto: Junger deutscher Kochprofi trifft auf türkische Hausfrauen. Die in Istanbul gebürtige Lale Yanik war Schauspielerin, bevor sie zusammen mit Arzu Bulut dieses Restaurant eröffnete. Vielleicht hat es deswegen etwas von Bühne an sich.

Ganz vorn ist eine Vitrine mit verschiedenen Vorspeisen. Eine Auswahl davon gab es auf einem langen, schmalen Brett. Die Kellnerin riet fürsorglich, es bei einer Portion für zwei bewenden zu lassen, da noch Hauptgerichte folgen sollten. Krosse Scheiben vom Fladenbrot luden zum Dippen ein. Es gab Möhren-Joghurt-Salat, eine weitere Joghurt-Spezialität mit verschiedenen Kräutern. Auberginensalat, Kichererbsenpüree und Couscous, schön scharf und saftig mit reichlich Lauch und Paprika, insgesamt eine gute und leichte Tour durch die oftmals mächtige Welt der türkischen Vorspeisen (7,50 Euro).

Die Hauptspeisen brechen ebenfalls höchst vorteilhaft die sonst verbreiteten Klischees von der Dönerküche. Schwertfisch-Kebab, auf lange Holzspieße gereihte Würfel vom halbwegs saftigen Schwertfisch, war kombiniert mit geröstetem Knoblauchbrot. In der Mitte ein köstliches Küchlein Salat aus Orangen, Walnüssen und hauchfein geschnittenen Selleriestreifen (20,50 Euro). Das moderne Istanbul lässt grüßen.

Kreativ auch die Umformung des normalerweise bei Desserts eingesetzten Kadayif-Teigs. Die dünnen, krossen Engelshaare umgaben hier mähnenartig eine Garnelen-Gemüse-Füllung. Dazu passte der Feldsalat mit einem fruchtig scharfen Dressing von Quitten und Chilis (14,50 Euro).

Beim Nachtisch kamen dafür dann wieder Hauptspeisenelemente zum Zuge. Eine sehr feste Joghurtmousse im Glas war gekrönt von einem Tomatenkompott, das mit reichlich Honig in ein süßes Dessert verwandelt worden war. Schmeckte erstaunlich gut (4,50 Euro). Hier hat endlich mal jemand unsere ständigen Rufe nach originelleren Desserts gehört. Das traf auch auf das lockere Grieß-Helva zu, das Vanilleeis bedeckte und in der Gesellschaft von in Raki marinierten Orangenscheiben sehr gut zur Geltung kam (4,90 Euro).

Noch ist die Anfangsphase nicht ganz abgeschlossen. Die Weinkarte ist klein und enthält gar nichts Türkisches. Warum nicht? Die Antwort darauf kam prompt und offen. Man arbeite noch daran, ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis herzustellen. Das sei bei türkischen Weinen nicht so einfach. Vorerst passen aber auch fröhlich moussierender Prosecco (3,50 Euro) und ein sauberer Sauvignon Blanc aus der Pfalz (19 Euro) gut zu den Speisen, die ihrer Tradition ja nur verhaftet sind, ohne sich dran zu klammern.

Den Erfahrungsschatz von Hausfrauen mit dem Know-how moderner Köche zu verbinden, scheint mir ein Modell zu sein, das Schule machen kann. Jedenfalls in solchen Kulturkreisen, in denen die Hausfrauen noch nicht den Convenienceprodukten verfallen sind.

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