Korbtest : Die Picknicker

Lust auf Essen mit Freunden auf der Wiese – und keine Lust, einzukaufen. Die Rettung: fertig gepackte Körbe. Wir haben vier davon getestet

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FÜR LIEBHABER

Die Spinat-Lachs-Röllchen sind als Erste weg. Waren auch bloß drei. Ich nahm zwei. Macht nichts, der Korb ist so voll, wir könnten das Grüppchen neben uns einladen und würden trotzdem alle satt, tun wir natürlich nicht. Es gibt: Hackbällchen, Quiche-Törtchen, angebratenen Leberkäse auf Brot, Nudelsalat, drei Sorten Käse, Baguettes, Salami, Weintrauben, Johannisbeeren, Kuchen, Zitronenlimonade. Alles frisch und hausgemacht. Eine Decke ist auch dabei, leider recht winzig, je mehr Speisen wir ausbreiten, desto weiter rutschen wir auf die Wiese. 40 Euro hat der Korb für drei Personen gekostet, im Schöneberger Feinkostladen Lina Rothenberger. Schade, dass alles Inventar zurückgegeben werden muss, auch die niedlichen Stoffservietten mit Schottenkaros sind abgezählt. Die Französin in der Runde merkt an, dass Gläser fehlen. Bisschen kulturlos, sagt sie, so Limonade aus Tassen zu trinken. Die Spinat-Käse-Quiche stimmt milde.

Wir hatten Angst beim Auspacken des Korbes. Weil der Salzstreuer bereits zu drei Vierteln geleert war. Mussten Kunden vor uns kräftig nachwürzen? Entwarnung dann beim Öffnen der Hackbällchen-Box. So pikant. So saftig. Die Laden-Inhaberin wird später verraten, wie sie den Geschmack hinbekommt: dänische Röstzwiebeln statt Semmelbröseln zum Vermengen nehmen. Die Bällchen werden in Marinade mit Sesam getunkt.

Extrem edel sieht er aus, unser Bombastkorb mit seinen braunen Lederriemen und goldenen Knöpfen. Man fühlt sich bloß wie ein Außerirdischer, jedenfalls auf der Liegewiese im Kreuzberger Viktoriapark. Die Tannenzäpfle-Fraktion guckt schon kritisch. Hätte die knallrote Decke wenigstens ein paar Kippenbrandlöcher. Eine junge Frau kommt rüber und will wissen, ob das hier eine Verlobungsfeier sei. Sie lässt sich mit Weintrauben abspeisen. Das nächste Mal gehen wir nach Sanssouci.

Der Nudelsalat ist ein bisschen zu nudelig, nörgelt es aus der Franzosen-Ecke. Tatsächlich schmeckt er arg gewöhnlich für Preis und Feinkostherkunft, mehr Feta hätte gutgetan. Der Höhepunkt des Korbes steckt in einer grünen Plastikdose: vegetarischer Tomatenaufstrich, mit Frischkäse und Kapern und ganz viel Senf. Das Baguette ist bald alle, der Aufstrich wird pur weitergegessen, bis die letzte Behälterecke ausgekratzt ist. Im Korb liegen auch ein paar Tücher Zewa Wisch&Weg, darauf hat die Verkäuferin extra hingewiesen. Denn das gehört ja zum Komplettpreis dazu: am Ende bloß grob über die Teller wischen, alles zusammenpacken, Koffer zu. Den Rest macht Lina Rothenberger.Sebastian Leber

Lina Rothenberger, Habsburgerstraße 4, Schöneberg, Telefon 6954 3414.

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