Essen & Trinken : Saftige Dickhäuter

Wassermelonen faszinieren den Fotografen Frederic Lezmi seit seiner frühen Kindheit. Bis heute gehören sie zu seinen liebsten Motiven

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Melonen – und in Bulgarien Werbung mit Melonendamen. Fotos: Frederic Lezmi
Melonen – und in Bulgarien Werbung mit Melonendamen. Fotos: Frederic Lezmi

Frederic Lezmi hat den Melonenblick. Den hat er von klein auf trainiert. Als Sohn einer deutschen Lehrerin und eines libanesischen Uno-Mitarbeiters ist er in Afrika aufgewachsen. Zum Frühstück im Senegal gab es immer Wassermelonen, „eiskalt, in großen Würfeln“, und wehe es gab mal keine! Da hat der kleine Junge ordentlich gekräht. „Wassermelone kam bei mir gleich nach der Muttermilch.“

Kein Wunder, dass Lezmi sofort überall die fußballgroßen grünen Früchte sah, als er sich vor drei Jahren in einem Opel Astra auf die Reise von Wien nach Beirut machte. Für seine Diplomarbeit wollte der Fotograf mit der Kamera festhalten, wo Europa aufhört, der Orient beginnt. Und dann, ab Slowenien, lagen sie überall am Wegesrand, auf wackeligen Tischchen oder einfach im Straßenstaub, stapelten sich in Lagerräumen, wurden aus Wagen heraus verkauft, hingen als Sexsymbol an der Wand: Die üppigen Melonenfräuleins hat der 32-Jährige an der bulgarischen Schwarzmeerküste entdeckt. „Ich habe noch nie ein Land gesehen, das so versext ist, selbst Regenrinnen werden mit barbusigen Frauen verkauft.“

Für seine Diplomarbeit „Von Wien nach Beirut“ wurde Lezmi mit mehreren Preisen ausgezeichnet. An seinem „B-Projekt“, mit dem er aus Jux begann, arbeitet er weiter. Inzwischen macht Lezmi nicht nur Melonenbilder, er sammelt auch die von anderen, um irgendwann mal eine Ausstellung damit zusammen zu stellen. An Material mangelt’s nicht. Für Künstler, erklärt der Kölner, sind Wassermelonen ein begehrtes Objekt, „sehr fotogen“: so groß und rund und kontrastreich, außen grün in grün, innen erst weiß und dann knallrot.

Dabei sind sie ja eigentlich ein Nichts. Ein süßes, schweres Nichts. Zu 95 Prozent bestehen die medizinballschweren Früchte aus Wasser. Deswegen sind sie gerade in Afrika, wo sie herkommen, so beliebt: als hygienisch verpackte Durststiller.

Noch heute freut Frederic Lezmi sich über Wassermelonen, „da krieg’ ich ganz rote Augen“. Im Sommer hat er immer eine im Kölner Keller liegen – deutsche Kühlschränke sind der Wassermelone nicht gewachsen, „im Libanon sind die Familienkühlschränke drei mal so groß wie hier.“ Schon das Aussuchen macht ihm Spaß, natürlich kauft er sie beim Türken, klopft erst dran, ein bisschen hohl müsse sie klingen, „der Sound“, findet er, gehört dazu. So wie das Feilschen. „Man streitet sich ein bisschen, ich nehm die – nein! die ist besser“, am liebsten greift er zu den länglichen Vertretern. Im Supermarkt ginge das alles nicht, mal abgesehen davon, dass die dort viel zu früh geerntet seien und oft kleine Spezialzüchtungen ohne Kerne sind. Dabei, findet Lezmi, gehören die dazu. „Sonst fehlt mir was.“

Gern würde er noch mal mit der Kamera zurückkehren an jenen Ort kurz vor Venedig, wo er, unterwegs zur Biennale, auf einen Wassermelonengarten gestoßen ist: Wie in einem Biergarten saßen dort die Menschen auf Plastikstühlen und schlabberten die saftigen Stücke. Demnächst wird er mit seiner Frau, die einen eigenen Kochblog hat, „der Wassermelone entgegenreisen“: Er hat ein einjähriges Stipendium für Istanbul bekommen. Dort ist die rote Erfrischung obligatorischer Bestandteil des Frühstücks.Susanne Kippenberger

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