Schnaps selber machen : Die Schnapsidee

Unser Autor hat sich in Rumänien Kupferkessel für das Destillieren von Bränden gekauft. Und dann? Half ihm ein gutes Buch. Das Abenteuer eines Schwarzbrenners.

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Hier brennt’s. In einem Ziegenstall destilliert der Autor Schnäpse aus eigenem Obst.
Hier brennt’s. In einem Ziegenstall destilliert der Autor Schnäpse aus eigenem Obst.Foto: Theo Barth

Wenn die Nächte länger werden, brauche ich wieder ein Staubtuch. Ein Jahr lang hat der Kupferkessel in der Abstellkammer gelegen, jetzt ist es Zeit, ihn herauszuholen, zu säubern und alle Vorbereitungen zu treffen, die nach Paragraf 45 Absatz 1 des Deutschen Branntwein-Monopol-Gesetzes nicht erlaubt sind. Ich besitze, was verboten ist: eine Destille zur Herstellung von Schnaps.

Zum Schwarzbrenner wurde ich durch ein geschichtliches Großereignis. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks war ich nach Rumänien gefahren, um mich umzuschauen. Was ich sah, gefiel mir: Bärtige Männer saßen an einer Landstraße und verkauften Kupferkessel. Meine Verhandlungen mit dem Chef des Clans, dem „Bulibasha“ von Hermannstadt, zogen sich drei Tage hin. Im Hinterhof des Zigeunerkönigs hämmerten junge Männer aus Kupferblech Gefäße aller Größen, während der „Bulibasha“ und ich uns am dritten Tag langsam mit den Preisvorstellungen näherkamen, je mehr die Flasche Tuica sich dem Ende neigte. Tuica ist der rumänische Bruder von Pálinka (Ungarn) oder dem serbischen Sliwowitz.

Als die Flasche ausgetrunken war, hatte ich rund 200 Mark bezahlt und war stolzer Besitzer einer Schnaps-Destille. Dass man so ein Gerät in Deutschland weder besitzen darf, ohne es amtlich anzumelden, geschweige denn in Gebrauch setzen, war mir an jenem Hermannstädter Sommerabend im Hinterhof von „Bulibasha“ weder bekannt noch hätte es mich abgeschreckt, das Ding ins Auto zu laden und voller Vorfreude nach Hause zu fahren.

Ich bin ein „Moonshiner“, einer, der im Mondschein sein Wesen treibt. Die amerikanische Bezeichnung für einen Schwarzbrenner klingt sehr viel romantischer: Er sitzt in den Buchenwäldern von Missouri, aus seiner Blockhütte dringt weißer Rauch. Die Umgebung duftet nach Beeren, nach Pflaumen und Äpfeln. Der „Moonshiner“ in der Hütte hat ein Lächeln im Gesicht und vor ihm, auf einem Dreifuß aus Stahl, kocht über einem Feuer eine Obstmaische. Langsam tröpfelt glasklar eine Flüssigkeit aus dem Röhrchen.

Das Destillieren war schon den Ägyptern und Griechen bekannt. Sie zerkleinerten zuckerhaltige Früchte oder Wurzeln, ließen sie vergären, dann erhitzten sie die Maische, fingen den Dampf auf und kühlten ihn ab. Was als Kondensat übrig blieb, war hochprozentiger Alkohol.

Doch was einfach klingt, ist meist schwer. Und so stand ich das erste Mal vor meinem glänzenden Kupferkessel wie der Ochs vor dem berühmten Berg und hatte nur Angst, blind zu werden. Zu häufig hatte ich von indischen oder türkischen Schwarzbrennern in der Zeitung gelesen, die ihren Kunden Methylalkohol verkauften. Methanol ist giftig, es kann zu Blindheit und schlimmstenfalls zum Tod führen, es entsteht, wenn man den Destillationsprozess nicht sauber durchführt.

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