Essen & Trinken : SCONES & CO

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Kuchen ist auch eine Lösung. Als Heilpraktikerinnen dafür ausgebildet, Menschen Gutes zu tun, setzen zwei Freundinnen nun ihren Heilauftrag mit anderen Mitteln um: Mit ingeniösen Kuchen, Desserts, Cookies und Tartes. Am wirkungsvollsten sind dabei im Berliner Winter die Scones. Mit einer schwer reißenden, kontinentalen Artverwandten der „clotted cream“, entfaltet das kleine Stück British Empire fein krümelnd Größe, dazu eine selbst gemachte Erdbeermarmelade mit toll-dreistem Aroma. Und dann ist es plötzlich Sommer. Englischer Sommer.

Das Gebäck auf dem spiegelnden Tresen wirkt perspektivisch verzerrt wie in Lewis Carroll’s Wunderland: Gugelhupfe sind zu Mini-Gugels geschrumpft, nicht mehr als je ein Bissen. Zu Weihnachten lagen Winz-Stollen in Schachteln, von der Größe kleiner, abgehackter Finger japanischer Yakuza. Der mondgroße Schokoladen-Cookie dagegen verdeckt das Gesicht eines dreijährigen Kindes vollkommen.

Tanya Hackfort und Ellen Moroff haben über Jahre begeistert Zeitschriften für ihre Rezepte gewälzt. Häufig spazierten sie durch Berlin, um den idealen Ort zu finden für ihre „sweet litte nothings“. Es wurde Schöneberg, Off-Broadway, also etwas jenseits der Goltzstraße, Eröffnung vor gut einem Jahr. Auf dem grünen Sessel neben der Kinderbank wurde in der Familie Hackfort schon ein Heiratsantrag gemacht – und Ellen Moroff sitzt daheim auf einem Balkonstuhl, denn ihre Stühle sind jetzt im Café.

Hier haderten sie anfangs mit ihrem neuen Ofen. Ein zunächst unberechenbarer Wüstenwind in seinem Innern föhnte die Käsekuchen auf ganz merkwürdige Weise zurecht, die ersten mussten sie wegschmeißen. Aber längst ist das Ungetüm gezähmt, und die beiden messen ihre eigene Experimentierfreude an der ihrer Gäste: Neben der spanischen Zitronentorte, neben Käsekuchen und Birnentartes gibt es Erdbeer-Basilikum-Torte im Sommer und Desserts im Glas aus der englischen Tradition der Puddings und Trifles, an die sich das Publikum erst langsam herantraut. Die Scones, von denen jeden Morgen zehn Stück frisch gebacken werden, hat Tanya Hackfort unter dem anschwellenden Applaus der Nachbarschaft zur Perfektion getrieben: Dinkelmehl nimmt sie, Sahne statt Buttermilch und hinein kommt immer mal wieder etwas anderes: Schokolade und Aprikosen, Feigen, manchmal sogar frische Mango.

„Priester, Heilpraktiker und Wirt“, sagt Tanya Hackfort, „das ist kein Unterschied.“ Sie kümmert sich jetzt um all jene, die ebenfalls ahnen, dass Kuchen für sie eine Lösung sein könnte, und darüber zu Stammkunden geworden sind. Deike Diening

Mattea B., Frankenstraße, Ecke Kyffhäuser Straße, Mo-Sa 9-19, So 10-18 Uhr.

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