Sommervergnügen : Picknicken ist das Schönste auf der Welt

Eine Schrippe am Schlachtensee, eine Brioche am Strand in Montpellier: Es braucht nicht viel, damit ein Picknick perfekt wird. Eine Liebeserklärung.

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Paradies. Ein Plätzchen im Grünen und gute Freunde: Es braucht nicht viel, damit ein Picknick perfekt wird.
Paradies. Ein Plätzchen im Grünen und gute Freunde: Es braucht nicht viel, damit ein Picknick perfekt wird.Foto: Alvarez/Getty Images

In der Ferne war die Akropolis zu sehen, wie sie auf ihrem Felsen thront. Meine Mutter, meine Schwester und ich waren auf den Lykavittos gestiegen, Athens Stadtberg. Im Gepäck hatten wir nicht viel mehr als etwas Weißbrot aus dem Supermarkt und pinkfarbene Tamaras, Fischrogencreme, in der Tube. Braucht es mehr? Dieser Anblick! Unten die Stadt, da vorne der Tempel und da hinten der Hafen von Piräus. Oben bei uns die kleine weiße Kirche, deren Stufen einluden, sich auszuruhen. Von dem knusperweichen Brot (ich weiß es wie heute, trotz der zwölf Jahre, die es her ist) rissen wir abwechselnd Stücke ab, dann schmierten wir die rosa Paste drauf. Fertig. Dabei kauerten wir auf den Steinen und ließen uns von der dämmernden Sonne die Gesichter wärmen.

Picknicks sind für mich der Inbegriff einer guten Zeit. Es ist, als würde ich mir den Ort für einen Moment zu eigen machen, mich heimisch fühlen. Ich nehme einfach da Platz, wo ich es schön finde. Muss keinen um die Rechnung bitten, es gibt gar keine. Kann kommen, wann ich will, die Reservierung verfällt nicht, und kann gehen, wann es mir passt. Nur den Müll muss ich mitnehmen, verkraftbar. Absolute Freiheit, für mich ein Luxus.

An Montpelliers Strand legten wir Salami zwischen zwei Brioche-Scheiben und drückten sie platt. Kein Gourmet-Essen, aber herrlich, weil im Pulk und aufs südfranzösische Meer schauend genossen. In England saß ich an einem Apriltag mit einer Freundin auf der Wiese vor der Kathedrale von Salisbury und ließ fast 800 Jahre Geschichte auf mich wirken. Aber nicht ohne Butterfingers, halb gebackene Cookies und Äpfel.

Essen, wo und was man will, alles ist erlaubt

Das ist alles kein Picknick? Weil zu einem Picknick karierte Decken und ein Körbchen gehören? Nicht bei mir. Nach meiner Definition ist es ein „Es sich gemütlich machen mit Essen, wo man will“. Viele Urlaube waren auch wegen der Picknicke so wunderbar. Ort, Essen, meine Begleitung und die Gespräche, die wir führten, vereinigten sich in meiner Erinnerung zu einem Gesamtbild des Glücks.

Dieses Glück beschere ich mir auch in der Heimat, Berlin bietet hübsche Stellen, an denen eine vorübergehende Landnahme lohnt. Wer über Ameisen klagt, den nehme ich das nächste Mal mit, wenn ich mir am Schlachtensee ein Ruderboot miete. Es zahlt sich aus, ein bisschen kräftiger und weiter zu paddeln, bevor man das Mitgebrachte ausbreitet. So sieht man womöglich Schildkröten auf Steinen sitzen oder einen Graureiher auf den Zweigen der Bäume, während das Boot vor sich hin dümpelt. Dann kann das Schlemmen beginnen.

Englands Königin Victoria führte einen Picknick-Hype ein

Alles ist erlaubt: Manet hatte ein Faible für nackte Frauen und Kirschen. Julia Roberts machte als „Pretty Woman“ ein „kleines Teppich-Picknick“ auf dem Hotelfußboden mit Snacks aus der Minibar – also nicht einmal an der frischen Luft! Englands Königin Victoria führte einen regelrechten Picknick-Hype ein. Sie nahm mit ihrer Gesellschaft allerdings auf Bänken an einem fein gedeckten Tisch im Grünen Platz. Auch davon darf sich der moderne Picknicker inspirieren lassen. Eine Bierzeltgarnitur in den nächsten Park zu bringen, macht zwar Aufwand, aber mit einem weißen Tischtuch und ein paar Teelichtern, sobald es dunkel wird, mag das wohl die königlichste Variante sein.

Essen im Freien ist ein weltweit verbreitetes und altes Hobby, das derzeit durch die Ausstellung „Picknickzeit“ im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst gewürdigt wird. Allein die dort gezeigten Fotografien von Barbara Klemm machen klar, es ist unwichtig, ob glamourös oder spartanisch – wer den Ort um sich herum genießt, kann das auch bei jedem noch so einfachen Mahl. Und jetzt: alle raus!

Von wegen das Schönste: Warum Picknicken das Allerletzte ist

Hier macht Picknicken Freude

Bikini-Haus: Auf der Dachterrasse des Einkaufszentrums hat man Großstadtaffen aller Art im Blick. Der Zoo ist nebenan.

Tempelhofer Feld: Es bietet eine weite Sicht über plattes Land und die Erlaubnis zu grillen. Einen Picknickkorbverleih gibt’s ebenfalls.

Volkspark Humboldthain: Viel Platz und saftige Wiesen – für das klassische Park-Picknick ein prima Spot im wilden Wedding.

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