Stuart Pigott : "Ich roch die Bauchnabel mehrerer Frauen"

Er vergleicht Weine mit Comic-Helden, fürchtet den Wein-Hitler und hasst Korken. Stuart Pigott ist Deutschlands wildester Weinkenner.

Interview: Susanne Kippenberger,Norbert Thomma
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Weinkönner. Stuart Pigott bei der Verkostung. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Da ist ja der schrillste Vogel unter den Weinkritikern!



Ich akzeptiere klaglos jede Ihrer Beschreibungen.

Sie kichern ja, Herr Pigott, dass die Wände wackeln. Bei einer Präsentation von Weinen sahen wir Sie mal so: Kunstnebel stieg vom Boden auf, Jimi Hendrix dröhnte aus den Boxen, Sie waren in eine Wolldecke gehüllt wie ein alter Indianer. Was hat das …

… mit Wein zu tun? Das war Theater, Rock ’n’ Roll. Beim nächsten Mal stehe ich vielleicht da und erzähle was, es gibt vier Weine zu kosten, basta! Abwechslung und Unterhaltung sind nie verkehrt.

Bei Proben von Weinen geht es sonst so weihevoll zu wie im Petersdom beim Hochamt.

Ja, und dieses Gehabe ist schrecklich. Das ist die alte Vorstellung von Weinkultur: Verhaltensmaßregeln, die streng zu befolgen sind. Sitze aufrecht! Krawatte muss zum Anzug passen! Halte das Glas am Stiel! Es handelt sich meist um ältere Männer, wohlhabend, sie haben’s im Beruf zu was gebracht. Eine Flasche Bordeaux ist für sie eine sehr ernste Sache. Und je teurer die Flasche ist, desto wichtiger fühlen sich diese Menschen selbst. Sie wollen sich abgrenzen vom gemeinen Plebs. Das stinkt mir. Wir sollten versuchen, den Genuss am Wein zu steigern, und diese snobistische, ritualisierte Form wirkt wie ein eng geschnürtes Korsett. Es schmälert den Genuss und unterdrückt jede Heiterkeit.

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