Traditionsreiche Falafel aus Schöneberg : Sie waren die ersten

Im Baharat sind die Kichererbsenbällchen besonders locker und kross

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Vor 30 Jahren noch Exoten: Falafel
Vor 30 Jahren noch Exoten: FalafelFoto: imago/Westend61

Es gab einmal eine Zeit, als Falafel echte Exoten waren. Gar nicht sooo lange her. Als ich anno ’89 – 1989, damit es keine Missverständnisse gibt – nach West-Berlin kam, habe ich in Schöneberg die ersten Kichererbsenbällchen meines Lebens probiert. Bis dahin eingefleischte Frikadellenesserin (das Wort Bulette musste ich auch erst in meinen Wortschatz integrieren), haben mich die würzig-lockeren Kügelchen mit der Sesamsauce und dem Salat gleich begeistert.

Inzwischen ist der Winterfeldtplatz eine Hochburg der nahöstlichen Imbisskultur. Aber ich bin der ersten Liebe treu geblieben: Im Falafeldreieck ist das kleine Baharat der freundlichste und gemütlichste Laden. Drinnen kann man auf weichen Kissen im Fenster sitzen, draußen auf einer Bank, Kinder bekommen ihre eigenen Stühlchen und Tischchen. Beim Essen lauscht man orientalischer Musik, das arabische Fernsehprogramm läuft dazu ohne Ton. Authentisch nennt man das. Dabei steht gar nicht der irakische Besitzer, Meshal Hasan, in der Küche – sondern seine fröhliche fränkische Ehefrau, Susanne Häuslein.

Alles frisch

Baharat ist der traditionsreichste Falafel-Läden am Platze, ja, einer der allerersten in der Stadt. „Seit 30 Jahren!!!“, schreit ein Aufsteller vor der Tür. Damit jetzt bloß niemand denkt, dass man von gestern sei, werden die Schlagworte von heute ausgepackt: „Clean Eating! Eigene handwerkliche Produktion! Immer frisch!“ Und recht haben sie. Hier gibt’s kein Convenience. Nicht nur die gut gewürzten, außen knackigen, innen saftigen, mit viel Gemüse aufgelockerten Falafel (drei Bällchen 3,50 Euro, fünf 4,50) schmecken frisch, auch das zitronige Taboulé, der Petersilien-Minze-Salat, ist besonders zu empfehlen.

Das Essen ist eine Schmiererei, man braucht viele Servietten, um sich die Sauce wieder aus dem Gesicht zu wischen, aber das ist ein gutes Zeichen. Gierig hatte ich mir (für 50 Cent extra) noch die Mangosauce dazu bestellt. Wer’s gern manierlicher hätte, ordert sich einen Spezial-Teller und greift zu Messer und Gabel. Frittiertes Gemüse mit Korianderpesto könnte man ebenfalls bestellen, aber Blumenkohl, Möhre und Fenchel waren mir ein wenig zu fettig. Andererseits: eine gute Grundlage. Denn nach dem frischen Pfefferminztee kann man sich ein paar Schritte weiter in einer der besten Bars der Stadt was Stärkeres bestellen.

Und hinterher ein Cocktail

Adresse  Winterfeldtstraße 37,

10781 Berlin-Schöneberg

Telefon  030/216 83 01

Geöffnet  Mo-Sa 11-2 Uhr nachts

Interessanter Nachbar  Green Door, Cocktailbar, Winterfeldtstraße 50

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