Knusprig muss der Kringel sein

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Türkisch frühstücken : Sesam öffne dich
Paul Munzinger
Türkisches Frühstück im "Meyan" in der Schöneber Goltzstraße.
Türkisches Frühstück im "Meyan" in der Schöneber Goltzstraße.Foto: Thilo Rückeis

Doch egal, ob Rührei mit Schinken oder Suçuk – was für Selçuk bei keinem Frühstück fehlen darf, sind Schafskäse, Gurken, Tomaten, Oliven und, natürlich, Simit. Als Kind in Ostanatolien hat er sie noch selbst gebacken. Heute beschäftigt er zwei Bäcker, die den Teig in einer Ecke des Gastraums zu Kringeln formen, in Sesam wälzen und in den Ofen schieben. Jeder kann sich so selbst davon überzeugen, dass die Simit frisch sind.

Am Anfang hat Selçuk das Mehl für den Simit-Teig noch aus der Türkei geholt, aber das Gebäck war zu weich. Ein Simit muss außen knusprig sein. Das türkische Mehl vertrage die Luftfeuchtigkeit in Deutschland nicht, sagt Selçuk. Er hat deshalb auf deutsches Mehl umgestellt und die Zutaten ein bisschen verändert. Wie genau, das will er nicht sagen, sonst könne es ja jeder nachmachen. Denn sein Simit sei nicht nur der beste in Berlin, sondern besser als das Original in der Türkei. Eine kühne Behauptung. Aber wer den Simit im La Femme einmal probiert hat (am besten mit Honig), wird darüber nachdenken, ob Selçuk nicht vielleicht doch recht hat.

Ein etwas anderes türkisches Frühstückserlebnis bietet das Meyan, ein Feinkostlokal mit hohen Backsteinwänden und Wohnzimmeratmosphäre. Çizdem und Ali Yizit haben das „Süßholz“, so die Übersetzung des Namens, vor einem Jahr in der Nähe des Winterfeldtplatzes eröffnet. Das Lokal soll alle ansprechen, die die türkische Küche jenseits des Döners genießen wollen, sagt Çizdem Yizit: nicht zu schwer, ein bisschen raffinierter, feiner, internationaler. Frühstücken kann man hier natürlich trotzdem. Ziemlich gut sogar.

Das liegt vor allem an den selbst gemachten Pasten. Die Joghurtpaste mit Kräutern oder die Dattelpaste mit Chili sind ein Erlebnis, auch wenn sie in der Türkei eigentlich nicht zum Frühstück, sondern als Vorspeise auf den Tisch kommen. Dazu gibt es Walnussbrötchen und Schrippen. Einen Simit bestellt man hier vergeblich. „Der ist kein Muss, auch in der Türkei nicht“, sagt Ali Yizit. „Ein Muss ist für mich Gastfreundschaft, ein Muss ist es, mit den Kunden zu reden und auch mal einen auszugeben.“ Und Schafskäse und Oliven, die sollten immer dabei sein. Nur dass die Oliven im Meyan eben zweisprachig sind, italienisch und türkisch, in einem Schälchen vereint.

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