Von TISCH zu TISCH : 3 Minutes...

Entensalat mit Walnusskrokant.

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3 Minutes sur Mer, Torstr. 167, Mitte, täglich von 11.30 bis 24 Uhr, Reservierung erwünscht. Keine Kreditkarten. Foto: K. Heinrich
3 Minutes sur Mer, Torstr. 167, Mitte, täglich von 11.30 bis 24 Uhr, Reservierung erwünscht. Keine Kreditkarten. Foto: K. Heinrich

Drei Minuten vom Meer entfernt, so könnte man den Namen dieses Restaurants übersetzen: „3 Minutes sur Mer“. Vielleicht eine etwas übertriebene Lagebeschreibung, aber auch das benachbarte „Bandol sur mer“ liegt demnach unmittelbar am (Pflaster-)Strand. Von Eingang zu Eingang braucht man höchstens 30 Sekunden.

Wir betraten einen rechtwinkligen Raum mit großen Schaufenstern, denkbar schlicht eingerichtet mit Papiertischdecken auf kleinen, eng aneinander stehenden Tischen. Auf unserem Tischtuch stand die Reservierungszeit mit Kuli aufgeschrieben, ergänzt um den nüchternen Zusatz „2 Pax“. Bin ich wirklich ein „Pax“? Eigentlich sehe ich mich in Restaurants lieber als Gast, auch wenn ich streng genommen nur für eine Dienstleistung bezahle, aber ein bisschen Herzlichkeit und individuelle Wertschätzung darf in dieser Leistung schon enthalten sein.

Glücklicherweise gibt es fast alle Gerichte in großen und kleinen Portionen, was die Tischnachbarn veranlasste, gleich vier verschiedene Gerichte auf einmal auftragen zu lassen, obwohl sie auch nur zwei Paxe waren. Die Karte spricht Deutsch und Englisch. Es sitzt hier aber nicht nur das übliche hippe junge Mitte-Publikum herum, sondern es sind tatsächlich alle Altersklassen vertreten. Der Salade de Canard hatte auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Caesar’s Salad, wegen der im weißen Dressing gewälzten Blätter, bestach dann aber durch raffinierte Details wie Mangowürfel, zart gehobelte Käsescheiben, Krokant aus Walnüssen und bissfeste marinierte Karotten – ein inspirierter Auftakt und selbst in der kleinen Variante gewiss nicht zu knapp bemessen. Am besten war tatsächlich die zarte Ente mit einem tiefdunklen Räuchergeschmack (10,50 Euro).

Eine abenteuerliche Interpretation des Klassikers „Surf & Turf“ erlebten wir bei der zweiten Vorspeise. Da schwamm ein Küchlein pikant angemachten Kalbstatars in einer kleinen Pfütze Hummerbisque, die ihrer beige-brauner Farbe wegen durchaus auch als Bratensauce durchgegangen wäre, und geschmacklich erstaunlich gut zum Tatar passte. Gekrönt war das von einer kleinen Kugel sattgelbem Zitroneneis und leuchtend roten, sehr gekonnt eingelegten Tomaten, die eine Spezialität des Hauses sein müssen, weil sie auch im Entensalat schon vorkamen (klein 11 Euro). Der gebratene Seeteufel wäre vielleicht gern noch ein bisschen länger in der Pfanne geblieben, lagerte aber sehr pittoresk auf einer Julienne aus Roter Bete, eingerahmt von Zuckerschoten. Zum Abwischen der Soße vom Tellergrund gab es ein saftiges Rosmarinbrioche dazu (klein 13,50 Euro).

Die Apfelknödel zum zweiten Hauptgang hatten das Aussehen und die Größe von Marzipankartoffeln, schmeckten ganz gut, wenngleich nicht gerade offensiv fruchtig. Kleine, raffinierte Varianten von Klassikern der französischen Küche bestimmen hier offensichtlich die Erfolgsrezepte. Dazu gab es köstliche Scheiben hausgemachter Blutwurst auf schneeweißem Selleriepüree und eine kräftiges Schalottenconfit (klein 14,50 Euro). Köstlich!

Zum Nachtisch probierten wir eine recht harte und kalte halbe Rieslingbirne mit wunderbarem Beiwerk, bestehend aus frühlingsgrünem Sauerampfereis und leckerer Whiskeysabayon (7 Euro). Die Rechnung war dann so, wie sie sonst in dieser Klasse Restaurant bei normalen Portionen gewesen wäre, übermäßig gering war der Wareneinsatz freilich auch nicht. Lediglich das gut aussehende Entrecote entfaltete sich am Nachbartisch im Schatten von verführerischen Streichholz-Pommes stolz bis zum Tellerrand.

Das Personal an der Bar könnte vielleicht etwas aufgestockt werden, denn die Küche ist schneller als der Getränkeservice. Zwar hatten wir, dem Geist des Hauses entsprechend, das Mahl mit einem eiskalten und sehr guten Cremant begonnen. Aber dass der ebenfalls frische Sauvignon Blanc erst serviert wurde, als die Vorspeise schon auf dem Tisch stand, war doch etwas störend, obwohl die feenhafte Kellnerin uns ansonsten gar nicht wie Paxe behandelte, sondern wie richtige Gäste. Was uns sehr gefreut hat.

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