Von Tisch zu Tisch : Amy’s

Rote Stühle und schwarzer Pudding

Elisabeth Binder

Amy's Malaysia Restaurant, Wilmersdorfer Str. 79, Charlottenburg, Tel. 31017605, tägl. 17-24 Uhr.

Dieses Restaurant wirkt auf Anhieb gemütlich. Das hat man oft bei Familienbetrieben, dass Spuren von Unaufgeräumtheit nicht abstoßend wirken, sondern im Gegenteil warm und willkommen heißend. Angeblich gibt es nur drei malaysische Restaurants in Deutschland, in Berlin ist uns kein weiteres bekannt. Die Wände sind geschmückt mit Stoffen und Webarbeiten, auf den Tischen liegen hübsch gemusterte Stoffläufer, es gibt Bilder und verschiedene Folkloregegenstände an der Wand, auf dem Fensterbrett eine mit Glasmurmeln gefüllte Schale. Nicht nur bei den Stühlen pflegt man Mut zur Farbe Rot.

Der Kellner ist schön wie ein junger Star und zerstreut wie ein alter Professor. Sein Charme lässt jede Vergesslichkeit vergessen. Perfektion muss man anderswo suchen. Dabei ist die Chefin äußerst gewissenhaft, erklärt genau, warum sie heute nicht zu den Garnelen, sondern lieber zum Rindfleischgericht rät. Bei kleinen Preisen kann nicht immer alles in Topqualität vorhanden sein, besonders dann nicht, wenn frisch gekocht wird. Wer dazu ehrlich steht, gewinnt unser Vertrauen blitzschnell.

Ebenso offen wird einem erklärt, dass es sich bei der malaysischen Küche um eine Frühform des modernen Crossover-Stils handelt, den Malaien mit Indern, Chinesen, Portugiesen und den eingeborenen Stämmen Borneos entwickelt haben. Dazu gibt es supersüßen Tee, aber auch Bitburger und eine ganze Kollektion Württemberger Weine, weil man herausgefunden habe, dass die am besten zum Essen passen. Vermutlich hat es da noch andere Synergien gegeben, aber egal. Tatsächlich sind die offenen Weine von einer Qualität, die man sich in manch anderen kleineren Betrieben dieser Art wünschen würde. Die offenen Hausweine, ein Dürrenzimmerner Heuchelberg Rivaner, ein Sonntagsberg Spätburgunder und ein 2005er Lauffener Katzenbeißer Schwarzriesling Rosé (jeweils 3 Euro für 0,2 l) erwiesen sich als hoch achtbare Tischweine, die auf ihre fruchtbetonte Art ziemlich gut zu den fantasievoll gewürzten Gerichten passen.

Vorweg gibt es Krabbenbrot, dazu die gemischten Vorspeisen (9,70 Euro). In der Mitte des apart gefüllten Porzellantellers zwei Dips, ein erdnussig knusperndes und ein feuerrot scharfes. Dazu gibt es vier zarte Hühnerspieße, eher unknusprige Frühlingsrollen mit keiner wahrnehmbaren Füllung, außerdem krosse Teigtaschen mit weicher Garnelenfüllung. Wenn man sich auf leichte Weise einstimmen will in diese Art der Küche, reicht eine Portion locker für zwei.

Manches auf der Karte klingt indonesisch, besonders in der vegetarischen Abteilung, wo die malaysischen Varianten von Nasi Goreng und Gado-Gado offeriert werden. Landestypischer fährt man mit „Amy’s Kari Ayam“, einem sehr saucigen Currygericht aus Hühnerbrust und Gemüse, das der charmante Kellner mit verheißungsvollem Lächeln im sogenannten Claypot serviert. Der sieht eigentlich wie ein ganz normaler Tontopf aus. Das Gericht „nach Amy’s Geheimrezept“ kann man mehr oder weniger scharf haben (9,50 Euro). Wer Saucen liebt, ist hier richtig, es gibt reichlich. Das trifft auch auf „Rendang Daging“ zu, das wegen seiner eurasischen Herkunft mit noch mehr Sauce annonciert ist, aber die beiden Töpfe tun sich da nicht viel. Die Rindfleischstreifen sind etwas zarter gewürzt als das Huhn, weiche Brokkoliröschen baden sich in einer ebenfalls milderen Sauce, die insgesamt sehr bekömmlich schmeckt (11,90 Euro). Dazu gibt es eine große Schüssel mit klebrigem Reis.

Zum Nachtisch wählten wir „Pisang Goreng“, was erstaunlicherweise als „typisch malaiischer Nachtisch“ annonciert war, obwohl es sich doch wieder nur um die guten, alten gebackenen Bananen handelte, die als Alternative zum schwarzen Pudding aus ungeschältem Reis und dem chinesischen Mangopudding angeboten werden. In dieser Variante sind sie besonders angenehm, blässlich, aber viel weniger fettig als sonst, serviert mit frischen Kiwi- und Bananenscheiben (4,30 Euro). Der Obstler danach war aufs Haus und schmeckte wieder stark württembergisch. War aber ein würdiger, passender Abschluss eines sympathischen Abends.

0 Kommentare

Neuester Kommentar