Von TISCH zu TISCH : Au Lac im Hotel Seehof

Steinpilz-Püree und Kräutergarnelen.

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Der Empfehlung einer Leserin verdanke ich die Wiederentdeckung eines früheren Kultorts. Die Terrasse des Restaurants „Au Lac“ gehörte im alten West-Berlin wohl auch aus Mangel an Alternativen zu den begehrtesten Plätzen zu jeder Jahreszeit, die Freiluftessen halbwegs erlaubt. Der Besuch nach langer Zeit ähnelte der Fahrt durch einen Zeittunnel. Der Springbrunnen plätschert gemütlich wie eh und je, die Laternen verbreiten ihr sanftes Licht, Tische und Stühle blicken auf den Lietzensee, mit weiten Schwingen zieht ein Reiher seine Runden. Als sei die Uhr angehalten worden. Ringsum mag die Luft beben, aber hier kann man gut landen, wenn man ein lauschiges, unaufgeregtes Plätzchen sucht. Den Blick in die urbane Naturlandschaft hat man auch von drinnen.

Allerdings hört man inzwischen mehr Fremdsprachen als früher. Die Kellner tragen noch klassische Uniformen, und die Bedienung ist flott und freundlich. Mag auch die alte Eleganz in einem Vierteljahrhundert leicht verblüht sein, die Patina verleiht dem Restaurant etwas Behagliches.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Zum Prosecco gibt es Baguette mit weicher Butter und Kräuterschaum (6,50 Euro). Die Karte wirkt auf den ersten Blick konventionell, aber man muss sich hier auch auf Hotelgäste einstellen, deren kulinarische Abenteuerlust sich in Grenzen hält. Und die Berliner, die ins „Au Lac“ kommen, sind wohl auch eher auf der Suche nach der verlorenen Zeit, als auf einem Rundgang durch den wieder angesagten Westen.

Das Wilde der Küche beschränkt sich auf kleine Details. Auf dem vom Balsamico leicht schlapp gemachten Rucolasalat etwa ruhen vier große gebratene Kräutergarnelen, die von ihren Schwänzen erst noch befreit werden müssen. Glücklicherweise wurden sie in der Küche so vorbereitet, dass es ganz leicht geht (12,50 Euro). Vitello Tonnato bedeckt etwa Dreiviertel des Tellers am Rande eines wildromantischen Salatgebüschs. Die Kalbfleischscheiben sind nicht zu dünn geschnitten, die Thunfischsauce ist dickflüssig und schmeckt, und den wilden Touch bringen hier die mächtigen Stiele an den Kapern, die erst noch abgepflückt werden müssen (11,50 Euro).

Später offenbarte der Küchenchef seine Liebe zu gelben Cherrytomaten, die zu den deutlicheren Zeichen für eine extrem behutsam modernisierte Version der alten Klassiker sprach. Übrigens werde ich manchmal gefragt, wo es Chateaubriand gibt. Hier zum Beispiel, man muss aber zu zweit kommen. Ganz allein könnte man sich auch Königinpastete gönnen. Und das ist kein Grund zum Spotten, so viele fast vergessene Leckereien sind irgendwann zu neuer Popularität erweckt worden.

Ketchup in der silbernen Saucière

Die Hauptgerichte führten uns auf unterschiedliche Wege. Sehr zart und sehr gut gewürzt waren die beiden Stücke vom Lammrücken, die an einem wirklich exzellenten Steinpilz-Kartoffelpüree lehnten. Umgeben war das Gericht von einem Ragout aus Edelpilzen in Kräuterjus, in jedem Fall anständig gemacht (23 Euro). Die halbe Portion vom Rinderfilet schmeckte in Gestalt von zwei kleinen Medaillons, die gleichwohl eine ausgesprochen angenehm gewürzte Kräuterkruste trugen. Dazu gab es einen gemischten Salat mit Croûtons, außerdem Steaksauce, weiche Kräuterbutter auf einem größeren Brotchip, prima Pommes Frites und auf Wunsch sogar Ketchup. Serviert wurde Letzteres in einer silbernen Saucière (16,50 Euro).

Dann war da noch der Dessertteller Seehof. Das sehr schöne Basilikumsorbet war vielleicht das innovativste Gericht des Abends, dunkelgrün und süß pikant. Blasser dagegen in jeder Hinsicht, dafür umfangreicher, war das Stück Erdbeerparfait. Schließlich gehörten noch eine leicht säuerliche, erfrischende Crème Brûlée dazu, und jede Menge Obst, das schon lange nicht mehr exotisch ist, Karambola zum Beispiel oder Kapkirschen (7,50 Euro).

Die Weinkarte ist ebenfalls leicht konservativ, aber durchaus gut sortiert. Mir gefiel der Riesling vom Weingut Caspari-Kappel an der Mosel, auch weil er zum Stil der Küche und zum Ambiente gut passte (31 Euro).

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