Von TISCH zu TISCH : Baby Burger und Espresso Martini

Die Türöffnerin trägt ein knapp sitzendes schwarzes Kostüm und spricht die Gäste automatisch auf Englisch an. „Good evening.“ Und, ja, wir sind zum Dinner im "Franke".

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„Thank you very much.“ Das Restaurant Franke im Hotel Excelsior ist neu eröffnet und hat offensichtlich junge Leute aus allen Himmelsrichtungen als Zielgruppe entdeckt. Die haben keine Ahnung, dass hier früher das notorische alte West-Berlin verkehrte.

Gestaltet wurde das Restaurant von den israelischen Designern Irene Kronenberg und Alon Baranowitz. Man sitzt im rechten Winkel zur offenen Showküche überwiegend an langen Tafeln oder Vierertischen. Es riecht nach Gegrilltem. Die verschärfte Modernität findet ihren Ausdruck auch in Dezibel. Bevor wir uns anschreien müssen, dreht die interessante Kellnerin mit dem markanten Gesicht und der Figur eines knabenhaften Riesen den Sound ein bisschen runter. Es ist wirklich erstaunlich, wie effizient sie zusammen mit einer Kollegin den gut gefüllten Raum durcharbeitet. Zwar gab es noch zwei Chef-Figuren, die gelegentlich umherflanierten und wichtig guckten, aber die legten nicht wirklich mit Hand an. Da ließe sich noch etwas optimieren, denn trotz des offensichtlichen Einsatzes der Kellnerinnen gab es im Service ein paar Längen zwischendrin.

Vorweg gibt es Auberginenmus und unspektakuläres Brot zum rosa Prosecco (6,50 Euro) und noch mehr Beats. Offenbar war es den anderen Gästen dann doch zu leise geworden. Dafür ist das Essen auch jung und hip. Sie haben hier so eine richtige Yummie-Karte entwickelt mit potenziellen Leibgerichten globaler Nomaden. Die Weinkarte enthält eine gute, nicht immer preiswerte Auswahl auch an Übersee-Weinen. Der kirschig beerige Prosecco „Rosa di Sera“ aus Venetien hatte uns als Einstieg schon gut gefallen. Später entschieden wir uns unter Umgehung der durchaus lockenden Sektion „Fruit Driven and Aromatic Wines“ für einen argentinischen Malambo Chenin Blanc, der uns mit seinen tropischen Assoziationen einen guten Weg bahnte durch das Fernwehmenü (24 Euro).

Rotes Thunfischtartar lagerte küchleinförmig in dicken roten Würfeln auf einem Bett von frischen, gelbgrünen Avocados, saurer Sahne und einer Wasabisauce (12 Euro). Auch die überm offenen Feuer gegrillte Aubergine mit Sesamsauce hätte uns locken können, stattdessen entschieden wir uns für die Hähnchenleberpastete. Die war für eine eher schwere Vorspeise fast zu großzügig portioniert, aber gut komponiert. Dazu passte Apfelchutney, dunkelbraun pikant (7 Euro).

Als hübsche Idee erwies sich indes das Baby-Burger-Trio. Drei frisch gegrillte, innen rosige Burger aus gutem Fleisch, verschieden inszeniert in den Minisesambrötchen. Feldsalat und Scheiben von saurer Gurke gehörten dazu, dann einmal scharfe Chipotlesauce, das war der Beste. Auf den zweiten Platz kam der Burger mit Emmentaler und Knoblauch-Mayonnaise. Das Schlusslicht bildete der Fleischklops mit Trüffelsauce, das war ein bisschen gewollt und passte auch nicht so recht zu den vorbildlich dünnen Pommes Frites, die in einer Papiertüte mit Zeitungsaufdruck serviert wurden. Ketchup gab es nur auf Anfrage in der Miniportion. Wenn sie das Burgerprogramm ausbauen wollen, sollten sie noch kleine oder gern auch größere Fingerhüte mit zusätzlichen Dips komponieren, damit die Sache nicht zu trocken wird (14 Euro). Sehr zart und mit Ingwer, Knoblauch und Honig gekonnt mariniert war die gegrillte Hähnchenbrust. Beilagen wie Kartoffelpüree, Brokkoli oder Spinat kann man für jeweils 3 Euro dazubestellen (16 Euro).

Die gut bestückte Dessertkarte bescherte uns den besten Nachtisch dieses Sommers „so far“, um es mal in der Sprache der Türöffnerin zu sagen. Aus einem Schuss Espresso, geschüttelt mit Belvedere Wodka und Kahula, wird der „Espresso Martini“, den wir allen, die es gut mit ihren Gästen meinen, zur Nachahmung empfehlen (9,50 Euro). Und übrigens auch allen, die traurig sind, weil sie auf ihrem ewig gleichen Panna Cotta öfter mal sitzen bleiben.

Ach, die wunderbare Stille draußen nach den Beats. Fast wie noch mal flüssiger Nachtisch.

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