Von TISCH zu TISCH : Brot & Salz

Sauerbraten vom Reh mit Quitten und Spätzle

von
Brot & Salz, Uhlandstraße 144, Wilmersdorf, Tel. 36421776, geöffnet Mo. Bis Fr. 12 bis 23 Uhr, Sa. 16 bis 24 Uhr.
Brot & Salz, Uhlandstraße 144, Wilmersdorf, Tel. 36421776, geöffnet Mo. Bis Fr. 12 bis 23 Uhr, Sa. 16 bis 24 Uhr.

Kein Wunder bei dem Namen, dass originell belegte Brote zum festen Repertoire des neuen Lokals in der Uhlandstraße gehören. „Brot & Salz“ gibt es seit dem Frühsommer, und die bequemen roten Kunstlederbänke, das gediegene Mobiliar aus braunem Holz, der große ovale Tisch auf einer kleinen Empore, das abgeschliffene Parkett, die Bildergalerie an den Wänden mit Kunst zum Kaufen und schließlich die hübschen Lampen mit floralem Muster verraten die sichere Handschrift eines erfahrenen Restaurantbetreibers fürs gehobene Bürgertum. Damit liegt man in Wilmersdorf immer richtig. Der Koch und Inhaber Anton Scholten hat zuletzt in Wien gewirkt, davor aber auch in Berlin in etablierten Lokalen wie „Engelbecken“ oder „Lubitsch“. Die souveräne Seviceleiterin trägt eine lange, burgunderfarbene Schürze und nimmt auch die Wahl des Aperitifs so ernst, wie es sich gehört. Der Frizzante aus Venetien ist leicht und fast noch sommerlich (0,1 l = 2,80 Euro), der kräftiger sprudelnde Silvaner Secco kräutrig und kräftig. Mit zweierlei hausgemachtem Brot aus Kräutern und gerösteten Kürbiskernen zum hellgelben, knoblauchhaltigen Kichererbsen-Dip starten wir in den Abend.

Die Kürbiscremesuppe ist nicht nur cremig, sondern hübsch in Szene gesetzt mit grob gemahlenem bunten Pfeffer und Bröseln von den gerösteten Kürbiskernen, ein einfacher, aber verblüffender Effekt, das passende Öl dazu intensiviert den Geschmack. Die Kollektion der knusprig-krustigen Hausbrote – wir wählten die Variante mit Maronencreme und Wacholderschinken – ist eine gute Antwort auf die immer noch grassierende Crostini-Mode, zumal die Creme großzügig aufgestrichen war (3,80 Euro).

Bei den Hauptgerichten gefiel uns die saftige, mit Haut servierte Lachstranche auf einem köstlichen Muschel-Curry mit Kokosmilch. Dazu gab es Blattspinat und mit Kardamom und Cumin gewürzte Reispuris. Wenn der Koch sich bei jedem Gericht um einen kleinen Extrapfiff oder einen Überraschungseffekt erfolgreich bemüht, darf man das wohl als gutes Zeichen für eine stabile Zukunft werten (13,50 Euro). Sauerbraten vom Brandenburger Reh findet man selten; das Fleisch, in Würfeln serviert, war zart und schmeckte sehr gut. Quitten geben der großen Portion eine fruchtige Note. Statt der vorgesehenen Spätzle bekamen wir anstandslos auch ein angenehm stückiges Kartoffelpüree dazu (14,50 Euro).

Der geschmorte Lavendelpfirsich zum guten Schluss hatte leider ein bisschen viel Saft verloren. Dafür war er hübsch angerichtet in Nachbarschaft einer grünen Minzsauce und zweier Kugeln blauroten Waldbeerensorbets, die sehr gut nach frischer Zubereitung schmeckten. Wenn dieses Niveau der Sorgfalt gehalten werden kann, dann ist dieser Ort auf dem besten Wege, ein neues Lieblingslokal der Nachbarschaft zu werden.

Die Standardkarte ist freilich ausgesprochen klein, aber das ist ja eher ein gutes Zeichen. Auch die Getränkeauswahl ist nicht geradezu riesig, zeigt aber ebenfalls Sinn fürs Besondere. Connaisseure mit Lust auf Berlinisches können sich zum Beispiel das herbe Eschenbräu Pils vom Fass aus der Weddinger Privatbrauerei M. Eschenbrenner schmecken lassen. Die liefert auch Apfel- und Birnenbrand als Digestif. Außerdem gibt es diverse Liköre von der Preußischen Spirituosen-Manufaktur. Wer Berlin-Besuchern was Authentisches abseits von Eisbein und Weiße gönnen will, könnte das hier auf eine zivilisierte und moderne Weise tun.

Fehlen nur noch die Weine vom hiesigen Kreuzberg. Die vermissten wir freilich nicht weiter beim frischen, offenen Rosé aus dem Languedoc-Roussillon (0,5 = 9 Euro) und auch nicht beim kräftigen südafrikanischen Merlot. Es gibt aber auch Flaschenweine. Wer diese Art von Restaurant betreibt, braucht Leidenschaft. Demonstranten gegen die immer weiter sich verbreitende Convenience-Kost sind hier vermutlich auch willkommen. Dieser Art von Nachbarschaftsrestaurant würde man jedenfalls weitere Ausbreitung wünschen. Da kommt ja fast französisches Lebensgefühl auf.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben