Von TISCH zu TISCH : Büdnerhaus

Tatar mit Limetten und Rucola.

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Büdnerhaus, Alt-Pichelsdorf 30-32, Spandau, Tel. 470 164 00, Mo bis Sa ab 16 Uhr, So und Feiertage ab 12 Uhr.Foto: Kai-Uwe Heinrich
Büdnerhaus, Alt-Pichelsdorf 30-32, Spandau, Tel. 470 164 00, Mo bis Sa ab 16 Uhr, So und Feiertage ab 12 Uhr.Foto: Kai-Uwe...

Man merkt dem Restaurant die 250 Jahre am selben Standort nicht an. Der Bar-Tresen existiert der Legende nach sogar schon seit 1753. Das alte Fachwerkhaus ist innen so hübsch und luftig restauriert, dass man sich gleich wohl fühlt. Dazu tragen die verschiedenen Uhren an den teils verputzten, teils mit frei gelegten Backsteinen atmenden Wänden bei. Das ist mal eine originelle Idee, eine gute Dekoration für Geburtstagsfeiern auch, man schaut sich unwillkürlich nach dem berühmten Dali-Bild mit den zerlaufenden Uhren um, aber das passt nicht hinein in das geschmackvolle, von Erd-Tönen dominierte Ambiente. Auf den schönen Buchentischen brennen Kerzen in hohen Leuchtern, daneben stehen verschiedene Kräuter wie Estragon und Minze in weißen Übertöpfen. Es gibt auch einen eigenen Raum für Raucher. Die jungen Servicekräfte sind freundlich, auskunftsbereit und bringen schnell wirklich eiskalten Prosecco und ebenso temperiertes Wasser. Als Gruß aus der Küche schickte der Koch sodann ein Schnecken-Steinpilz-Süppchen mit leichtem Vanillearoma, dazu ein Stück festes, salziges Baguettebrot mit einem Hauch von Zitrone, was köstlich schmeckte.

Als Unterlage für die asiatische Vorspeisenplatte wurden zwei Granitblöcke auf den Tisch gelegt. Über die Herkunft der Blöcke gab der Kellner unbefangen Auskunft: „Vom Bestatter.“ Die Vorspeisen kurbelten die Lebenslust dann glücklicherweise heftig an. Es gab Hähnchenspieß, dunkelrotes asiatisches Tatar mit Koriander, Sesam und Porree, Garnele, thailändische Zitronengrassuppe, Dim Sum, verschiedene Rolls mit Ingwer und Wasabi, darunter eine scharfe, mit Lachs gefüllte, eine leicht knusprige vegetarische Frühlingsrolle, dazu dreierlei Saucen, von denen die mit den Erdnussbröckchen am besten war (16,50 Euro). Das Programm der Küche dreht sich um eine „Best of“-Liste aus aller Welt. Es gibt hier übrigens auch Bouef Stroganoff, dies nur, weil ich immer mal wieder gefragt werde, wo man das gut essen kann. Da auch die Hauptgänge tadellos waren, würde ich denken, dass dies ein vielversprechender Ort ist. Zu den vier großen, guten Garnelen mit Jasminreis gab es eine Sauce mit Gemüse, Kokosmilch und Koriander, die so gut schmeckte, dass man sich wirklich hätte reinlegen mögen (19,80 Euro). Auf der Tatarkarte lockte das Dreierlei. Drei recht deftige Küchlein waren mit roten Zwiebeln und Salat auf einem Holzbrett angerichtet. Die klassische Variante war mit Kapern, Sardellen, Gurke und Cognac zubereitet, die italienische mit getrockneten Tomaten, Parmesan, Limetten und Rucola und schließlich die extrascharfe Interpretation des Chefs mit frischem Chili. Dazu gab es natürlich Butter und geröstetes Schwarzbrot, sowie eine Auswahl Baguette und dunkler Brötchen und außerdem noch schwarzes, mit Vulkanasche angereichertes hawaiianisches Salz sowie weißes Salz aus Pakistan (21,50 Euro).

Langsam formierte sich mein Haupteinwand gegen dieses Restaurant: Es verführt dazu, mehr zu essen, als man eigentlich wollte. Die Weinkarte hat einen guten Umfang, ist überschaubar und gut sortiert. Der Grauburgunder aus der Pfalz, ein 2012er von Jacob traf unseren Geschmack auf den Punkt, wurde ebenfalls schön kalt serviert und dann im Eiskübel auf Temperatur gehalten (24,00 Euro). Zum Dessert gab es einen Blaubeerpfannkuchen, knusprig und luftig gebacken. Mit Zucker und frischen Beeren war er in einen wahren Kindertraum verwandelt. Sehr cremiges, nicht zu kaltes Vanilleeis dazu und ein Fächer aus frischer Mango. Damit wollten wir uns eigentlich verabschieden, dem Schokoladenkeks zum Capuccino hatten wir tapfer widerstanden. Aber dann setzte der Kellner all seinen Charme ein, um uns zu überzeugen, den Abschiedsgruß aus der Küche doch noch zu probieren, einen besonderen französischen Käse mit Sommertrüffeln. Leider auch köstlich, aber das überraschte uns an dieser Stelle nicht mehr. Das Überraschungspotenzial war nämlich schon ausgereizt, an dieser Stelle ein Restaurant mit soviel Atmosphäre, Stil und Ambition zu finden. Letztlich verdanken wir diesen Tipp einem Franzosen, der in Berlin zu Besuch war und ebenfalls staunte über dieses Ausmaß an Savoir Vivre.

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