Von Tisch zu Tisch : Chi Sing

Hibiskusblütensalat mit Sesam-Krabbenchips

Elisabeth Binder

Wer Besuchern aus der deutschen Provinz den Geist des neuen Berlin exemplarisch vorführen möchte, sollte sie ins Restaurant Chi Sing ausführen. Hier kommt viel zusammen von dem, was in den letzten Jahren herangewachsen ist und Berlin zu einem wunderbaren Ort macht. Die Hue-Küche Mittelvietnams, die den Speiseplan inspiriert, steht dabei zunächst mal für die große Vielfalt der ethnischen Angebote, die es hier gibt. Und der geschmeidige, manchmal fast zu aufmerksame Service, der auch die dümmsten Fragen ohne eine Spur von Arroganz beantwortet, für den Wandel vom Schnodderberlin zu einer Stadt mit beachtlicher Lebensqualität.

Die Einrichtung erzählt von der unbeschwerten Freude an jungem Design. Schlichte graue, mit weißen Blütengestecken geschmückte Tische sind umgeben von hellgrau gestrichenen Stühlen aus verschiedenen Epochen. Von der Decke herab hängen weiße Engelstrompetenimitate und formieren sich zu einer anmutigen Lichtskulptur. Ein mächtiger Tresen wächst aus silbrigen Skulpturen heraus, geheimnisvolle goldene Gesichter blicken von der Wand aufs Szenevolk und auf Familien. Bei schönem Wetter kann man auch draußen sitzen oder in den offenen, raumhohen Fenstern.

Die Cocktailkarte enthält gesunde alkoholfreie Shakes, aber auch interessante Abwandlungen von Aperitif-Klassikern. Der Chi Sing Sour etwa besteht neben Wodka in bekömmlichen Ausmaßen aus Holunderblütensirup, Apfelsaft, grünem Tee und frischer Minze (6,20 Euro). Ein Blick auf die Speisekarte zeigt einen weiteren Vorzug dieser Stadt: Das Essen muss einen nicht gleich ruinieren. Appetitlich glänzende gegrillte Auberginenscheiben sind bedeckt mit einer Melange aus frischen Schalottenkringeln und Koriander (5,60 Euro). Besonders gut ist „Goi Hoa but“, der Hibiskusblütensalat mit Sesam-Krabbenchips, einem aus Zitronengrass und Honig komponierten Dressing, in dem sich klein geschnittene Gurken, Tofustreifen von überdurchschnittlicher Qualität, gerösteter Sesam, frischer Koriander und viele Hibiskusblüten befinden (5,60 Euro).

Das Hauptspeisenangebot der Standardkarte besteht überwiegend aus Suppen. Gut ist die kräftige Hühner-Reissuppe in einer großen Schüssel. Ganz unten befindet sich ein Bett aus überraschend weich gekochtem, fast matschigem Reis. Darauf schneeweiße Hühnerfleischstreifen in einer kräftigen Brühe, ganz oben tiefgoldene Senffrüchte, frische Ananas, Sojakeime. Nur der Porzellanlöffel ist ein bisschen sperrig und also gewöhnungsbedürftig, das Geschmackserlebnis der verschiedenen Aromen aber erinnerungswürdig (8,40 Euro).

Auf der Tageskarte wird auch festere Nahrung angeboten. Gelungen waren die mit Hackfleisch und Strohpilzen bedeckten Süßkartoffelrösti. Dazu gibt es einen Teller „mit vietnamesischen Gartenkräutern“, zu denen auch eine kleine rote Chilischote zählte und glatte Petersilie. Bei der ebenfalls dazu servierten kleinen Schale mit sehr fischig schmeckender Fischbrühe gerät unser Geschmack an seine europäischen Grenzen, obwohl wir uns durchaus vorstellen können, dass diese Kombination in Vietnam als Delikatesse durchgeht (5,60 Euro). Die Portionen sind so, dass man nicht an Völlegefühl leidet und auch noch Lust auf Nachtisch verspürt. Etwa die leichte Mascarponecreme mit Limetten und grünem Tee, die unter ganz vielen winzigen Mangowürfeln verborgen ist (5,60 Euro).

Es gibt eine kleine Weinauswahl, die gut abgestimmt ist auf die Küche, zum Beispiel der südafrikanische Sauvignon Blanc, der selber fast ein bisschen tropisch fruchtig schmeckt (0,2l für 5,80 Euro). Auch der chilenische Cabernet Sauvignon mit seinen Anklängen von Holz und Waldfrüchten fügt sich harmonisch ein in die Aromenpalette der Hue-Speisen (0,2 l für 4,80 Euro).

Nach dem Essen sollte man unbedingt statt Kaffee eine der Teezubereitungen probieren, Der hausgemachte Ingwertee mit Limettensaft, Zitronengras und Minze schmeckt sehr erfrischend (3,60 Euro). Zum Vorspeisensalat gut geeignet ist der Hibiskusblütentee mit Zimtstange und Minzblättern, dem wir die heilenden Kräfte, die ihm nachgesagt werden, gerne glauben (3,60 Euro).

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