Von TISCH zu TISCH : Chipps No. 1

Hähnchenkeule mit Tomatensalsa

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Chipps No. 1, Jägerstraße 35, Mitte, Tel. 36444588, geöffnet Mo bis Fr ab 8, Samstag und Sonntag ab 9 Uhr bis spät. Foto: Heinrich
Chipps No. 1, Jägerstraße 35, Mitte, Tel. 36444588, geöffnet Mo bis Fr ab 8, Samstag und Sonntag ab 9 Uhr bis spät. Foto: Heinrich

Mit Vorschusslorbeeren soll man vorsichtig sein. Sie können auch mal zurückbeißen. Der Besuch im Chipps war zwar kein Flop, aber wir fanden doch einiges vor, was noch zu verbessern wäre. Die Idee, Fleisch und Fisch als kleine Beilage zum Gemüse zu servieren, hatte mich früh für das Konzept eingenommen. Ein erster Testversuch scheiterte an Überfüllung des gerade eröffneten Restaurants. Beim zweiten Anlauf reservierten wir. Freilich sagte man uns dabei nicht, dass an diesem Abend nicht die normale Karte angeboten werden würde, sondern nur ein besonderer Auszug daraus. Das fanden wir nicht in Ordnung. Uns hatte ja gerade die Bandbreite an Gemüsegerichten gelockt, die man sich im Baukastensystem zusammenstellen kann. Wir blieben trotzdem und tranken uns die erste Enttäuschung mit einem rosa Sekt schön, der leider auch nicht ganz so spritzig war, wie er hätte sein können (4,50 Euro).

Der nächste Fehler folgte beim Servieren des Wassers. Das war still statt wie gewünscht sprudelnd, wurde aber anstandslos ausgetauscht. Dass wir von der recht übersichtlichen Weinkarte den 2008er „Gentil!“ von Hugel & Fils aus dem Elsass trinken wollten, war ebenfalls umgehend in Vergessenheit geraten. Mit Verspätung wurde er dann doch noch aufgetragen in einer Temperatur, die freilich kein halbes Grad wärmer hätte sein dürfen (28 Euro). Der Servicechef mit dem Aussehen einer Figur aus einem Dickens-Roman entschuldigte sich wortreich. Später büßte er an Glaubwürdigkeit ein, weil er sich augenrollend und Grimassen schneidend mit dem fleißigen, jungen Kellner verständigte, der unermüdlich Bestellungen aufnahm und servierte. Es sah fast so aus, als motiviere er den jungen Kollegen durch Lästern über zickige bis unmögliche Gäste, aber vielleicht war das ein falscher Eindruck.

Chipps ist ein Ableger von Berlins bestem vegetarischen Restaurant Cookies Cream und soll wohl Grundlage zu einer neuen Art Systemgastronomie werden. Es gibt bereits eine „No. 2“ in der Friedrichstraße. Draußen sitzt man auf schlichten Bänken, mit Blick aufs Auswärtige Amt. Innen gibt es graue Sessel vor kleinen Holztischen. In der offenen Showküche schuftete ein einzelner Koch im Schweiße seines Angesichts. Natürlich dauerte es, bis das Essen auf dem Tisch stand. Es wurde ja alles frisch zubereitet unter Verwendung von erstaunlich viel Alufolie.

Das frische Graubrot war wirklich gut. Jedenfalls im Urzustand. Mit Öl getränkt und geröstet fanden wir es etwas zu fett als Teil der Vorspeise, die ansonsten aus gutem gegrilltem Gemüse und Halloumikäse bestand. Besonders die Paprika waren exzellent (6,50 Euro). Die zweite Vorspeise war eine mit schmelzendem weißem Ziegenkäse gefüllte gegrillte Papaya. Da war nichts Raffiniertes dran, aber die Kombination an sich hatte Pfiff. Wer auf seine Figur achten mag, ist in diesem Haus genau richtig.

Beim Hauptgang wurden Fleisch und Fisch tatsächlich in sehr übersichtlichen Portionen auf kleinen rechteckigen Beilagentellern serviert. Zwei schmale Stückchen Zander, apart angerichtet in einer Sauce aus Kräutern, Zitronen und Oliven, waren saftig und gut (6 Euro). Dazu gab es eine Schüssel mit Papas Arrugadas, salzigen Kartoffeln in der Schale, dazu Mojo Verde, eine grüne Kräutersauce, die vom Umfang her den Kartoffeln nicht Paroli bieten konnte. Hier müsste an den Proportionen noch gearbeitet werden (4 Euro). Auch an diesem Abend konnte man alles einzeln bestellen und hatte bei der Bratwurst beispielsweise die Auswahl zwischen Fleisch und Tofu.

Die Hähnchenkeule war wie versprochen ohne Knochen, aber dafür mit Knorpel angereichert, drei ansonsten zarte und auch saftige Streifen mit Haut. Dazu gab es ein kleines Gläschen mit Tomatensalsa (6 Euro). Der Cäsarsalat dazu glich alles wieder aus, eine ordentliche Portion mit einem reichhaltigen Dressing und viel gehobeltem Käse oben drüber (6 Euro).

Zum Dessert probierten wir selbst gebackenen Apfelkuchen. Der kam sicher nicht direkt aus dem Ofen, schmeckte aber achtbar. Lustig fand ich das Glas mit Drehverschluss, in dem sich ein Törtchen aus Schmand auf einem Fonds aus Schokobröseln und Aprikosenkompott befand, praktisch auch zum Mitnehmen.

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