Von TISCH zu TISCH : De Maufel

Boeuf Bourguignon mit Kartoffelpüree

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De Maufel, Leonhardtstr.13, Charlottenburg, Tel. 310 043 99, Di-Sa ab 10 Uhr, Do/Fr auch Abendessen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
De Maufel, Leonhardtstr.13, Charlottenburg, Tel. 310 043 99, Di-Sa ab 10 Uhr, Do/Fr auch Abendessen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Luxemburg? Davon haben wir alle mal gehört – aber das Land dann doch nur als leicht anrüchigen Bankenplatz und Ort weitreichender politischer Entscheidungen im Gedächtnis behalten. Der Grenzort Schengen ist wegen der Abschaffung der Grenzkontrollen berühmt geworden, aber nicht als Herkunft vortrefflicher Rieslinge. Ach, und dann ist da noch Lea Linster, die das kulinarische Luxemburg mehr oder weniger im Alleingang repräsentiert. Denn der beste Chef des Landes, Ilario Mosconi, kocht italienisch.

Wie sieht es mit der luxemburgischen Botschaft in Berlin aus? Das „Alt Luxemburg“ ist nach einem Geschirr benannt und hat ein paar Weine des Landes auf der Karte, zählt also nicht wirklich. Deshalb bleibt nur noch ein kleiner Laden in Charlottenburg, der hier auf dieser Seite schon ein paar Mal beschrieben wurde: De Maufel. Ich habe lange gezögert, mir das näher anzusehen, weil es auf den ersten Blick eher unter der Schwelle liegt, die einen Laden von einem Restaurant unterscheidet. Und mittags habe ich weder Zeit noch Lust für substantielles Essen.

Immerhin: Donnerstags und freitags geht es hier bis weit in den Abend, das ist schon mal was. Dennoch ist der erste Eindruck der eines gemütlichen, leicht patinierten Feinkostgeschäftes. Manche Dinge in den Regalen kennt man, manche nicht, aber nahezu alles kann gleich an Ort und Stelle aufgegessen werden. Näher kommt der Gast dem Phänomen „De Maufel“ aber erst, wenn er Platz nimmt an einem der wackligen Bistrotische und sich auf die kleine Karte einlässt. Luc Wolff, der den Laden 2006 eröffnet hat, macht die Honneurs, eine Kellnerin die Arbeit, und hinten in der Küche steht Heike Kaschny, deren Küchenphilosophie an Carmen Krüger erinnert: einfach und sorgfältig ohne kreativen Ehrgeiz.

Mich hat für diese Küche vor allem eingenommen, dass es traditionelle Pasteten und Terrinen gibt, die sonst weitgehend ausgestorben scheinen. Wir trafen mit einer Geflügel- und einer Räucherforellenterrine (7,80 Euro) zusammen, alles schön saftig deftig gemacht und ganz ohne die fade krümelnde Konsistenz, die herauskommt, wenn sich Hobbyköche der Sache annehmen. Kleine Salate mit klassisch französischem Senfdressing runden die Sache ab – ich würde anregen, den nostalgischen Effekt mit ein paar Cornichons zu steigern; vermutlich hätte ich sie einfach dazubestellen können.

Auch regelrechte Hauptgänge stehen auf der Karte, Klassiker allemal. Zart-würzig ist das Boeuf Bourguignon, mit Möhrenscheiben in kräftigem Rotweinjus und einem buttersatten Kartoffelpüree (12,80 Euro), herzerwärmende Heimatküche ohne großen Anspruch, aber – das Klischee ist hier unvermeidlich – mit Liebe gekocht. Zum gebratenen Filet vom kleinen Loup de mer (15,80 Euro) gibt es Dinkelrisotto, alles stimmt, es schmeckt wie am Esstisch von netten Freunden, die auch noch kochen können. Hinterher gibt es ein kleines Gratin von gewürfeltem Brioche mit Pflaumenkompott oder ein Erdbeerparfait, zu dem Patron Wolff gern noch eine kleine Flasche Gewürztraminer von der luxemburgischen Seite der Mosel öffnet – das Leben in Charlottenburg kann so schön sein.

Um das Weinangebot noch etwas ausführlicher zu würdigen: Aus dieser Region kommen überwiegend Weißburgunder und Auxerrois, aus den besten Lagen (großzügig „Premier grand cru“ genannt) auch Rieslinge, die nicht die Prägnanz und Tiefe der Moselweine aus den deutschen Lagen erreichen, aber durchaus eigenen Charakter besitzen und die bodenständigen Gerichte der „Maufel“ bestens abrunden (um 20 Euro). Es liegt auf der Hand, dass das grenzwertige Klima Luxemburgs ähnlich wie das der Champagne gut für säurebetonte Schaumweine geeignet ist – auch von denen ist hier eine gute Auswahl verfügbar.

Ach, die Maufel. Dabei handelt es sich um eine kleine Teigpastete nach luxemburgischen Vorbild, gefüllt mit mariniertem Fleisch und etwas Weingelee. Heike Kaschny hat lange dran getüftelt, und es lohnt sich schon wegen dieses Happens, einfach mal einen Blick in den Laden am Amtsgericht zu riskieren.

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